Günter Rohwedel Pořadí knih (chronologicky)






Eine kriminalistische Grunderkenntnis sagt, dass bei Ermittlungen in einem Tötungsdelikt der Ermittler selbst die Tür zum „MITLEID“ schließen muss. Nur so kann er unvoreingenommen tätig werden. Ich selbst aber vergaß, im Fall der vermissten Katrin diese Tür von Beginn an zu schließen, und sah meinen damaligen Auftraggeber bis heute als einen vom Schicksal Gebeutelten, Leidenden, der seine Tochter seit vielen Jahren vermisst, über ihr Schicksal im Unklaren ist, keine Stelle zum Trauern besitzt und Jahrzehnte bis zur Selbstaufopferung nach ihr sucht. Der die Wahrheit über das Schicksal seiner Tochter Katrin erfahren will. Doch er gehört ohne Abstriche zum engsten und vertrauensvollsten Personenkreis des Opfers. Ihn von Beginn meiner Ermittlungen an aus Mitleid nicht zu den überprüfenden Personen zu zählen, ihn vielleicht daher unbewusst zu vernachlässigen, war ein unverzeihlicher Fehler, der mir als Ermittler hätte nicht unterlaufen dürfen.
In Ermittlungsakten eines seit Jahrzehnten ungeklärten Verbrechens steckt oftmals mehr als gedacht oder man glaubt auf den ersten Blickgesehen zu haben. Es ist ein Trugschluss zu meinen, dass man aus häufig zur Hand genommenen und studierten Dokumenten bereits alles an Informationen entnommen hat. Man kann etwas hundert- oder tausendmal gelesen bzw. betrachtet haben, aber erst beim abermaligen Lesen oder Hinschauen und mit einem längeren Abstand ist man in der Lage, bestimmte Dinge richtig zu lesen bzw. zu sehen und zu verstehen. Wenn dann diese Dinge durch weitere Ermittlungen und neue Erkenntnisse gestützt werden, sind es bedeutsame Schritte auf der Suche nach der Wahrheit im Fall der 1989 verschwundenen und bis heute nicht aufgefundenen Leiche der Katrin aus Karbow Sandkrug. Hatte sich Jahrzehnte ein undurchdringbarer Nebelschleier über dieses schreckliche Verbrechen gelegt, so hat die bis heute unermüdliche Suche nach der Wahrheit, die in diesem Buch anschaulich beschrieben wird, dazu geführt, dass sich der Nebelschleier langsam lüftet und erste Teile eines Gesamtbildes erscheinen. Beschrieben werden das Wieder-Hervorholen der Altakten, der Prozess der Neubewertung sowie der Abgleich mit privaten Ermittlungsergebnissen, was zu weiteren Erkenntnissen führte. Doch bitter war es, im Laufe der kriminalistischen Analyse festzustellen, dass mir in all den Jahren ein unverzeihlich grober Fehler als Ermittler unterlaufen war.
„Verschleiert“ ist die Fortführung von „Vergessen“, in welchem bereits das Verbrechen an einer 10-Jährigen aus Malchin beschrieben wird. Die Medien begleiteten diesen Fall über Jahre und er ist bis heute ungeklärt. Beschrieben wird in diesem Buch, wie die Medien den Fall der Öffentlichkeit zugänglich machten. Nicht immer ist alles schwarz oder weiß und es muss in den Medien nicht alles der Wahrheit entsprechen. Ein tieferer Blick auf die konkreten Berichterstattungen der Medien im Fall des ermordeten Mädchens aus Malchin lässt starke Zweifel an einer unvoreingenommenen, unabhängigen und objektiven Information au ommen. Medien beein ussen die Meinungsbildung allgemein und in Bezug auf ein Verbrechen oft sehr konkret. Sind sie sich dabei immer ihrer Verantwortung und Rolle bewusst? Ihre Berichterstattung ist Spiegel der aktuellen Medienpolitik unseres Landes. Sie gibt zugleich aber auch sehr deutlich Auskunft über den Zustand unserer Gesellschaft, in der wir heute leben.
Verschwunden?
Ein ungeklärter Fall