Die umfassende Analyse des Vormärz-Handbuchs beleuchtet die vielfältigen Aspekte der Zeit von 1815 bis zur bürgerlichen Revolution 1848/49 in Deutschland. Es behandelt zentrale Themen wie Geschichte, Politik und Ökonomie sowie kulturelle Strömungen in Literatur, bildender Kunst und Musik. Zudem wird die Rolle von Philosophie, Pädagogik und Theologie in dieser prägenden Epoche untersucht, wodurch ein tiefes Verständnis für die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen jener Zeit vermittelt wird.
Das 23. Klassikseminar hatte sehr interessante Vorträge von Prof. Dr. Wolfgang Bunzel mit „Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn …, Mignon – eine Figur und ihre Rezeption“, Dr. Gesa von Essen mit „Margarethe alias Gretchen – Fausts Geliebte in wechselnden Ansichten“, Prof. Dr. Jochen Golz mit „ Frauengestalten in den „Wahlverwandtschaften“: Charlotte und Ottilie“ und von Peter-André Alt ein Auszug aus „Klassische Endspiele – Das Theater Goethes und Schillers“ .
Von den Rhein- und Mayn-Gegenden zur Weltliteratur
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Vor 200 Jahren erschien das erste Heft von Goethes Zeitschrift ‚Ueber Kunst und Alterthum’. Den Anstoß zu diesem Unternehmen hatte Goethe bei seinen Wiesbadener Kuraufenthalten in den Jahren 1814 und 1815 und den sich anschließenden Besuchen in Frankfurt und im Rheingau erhalten, wo er mit der katholischen Volksfrömmigkeit und der sogenannten altdeutschen Kunst in Berührung gekommen war. Um seine Eindrücke einem größeren Kreis von Interessierten zugänglich zu machen, gründete er das unregelmäßig erscheinende Periodikum ‚Ueber Kunst und Alterthum in den Rhein und Mayn Gegenden’. Es dauerte aber nicht lange, bis die regionale Beschränkung wegfiel und Goethe den Fokus auf die gesamten deutschsprachigen Länder und bald auch auf ganz Europa ausweitete. Die Besonderheit dieser Zeitschrift, die bis zu seinem Tod fortgeführt wurde, besteht darin, dass Goethe selbst ihr wichtigster Beiträger war. Ungeachtet zurückgehender Absatzzahlen nutzte er sie als bevorzugtes Kommunikationsmittel für Freunde und Anhänger, aber auch als Artikulationsorgan für seine ästhetischen Überzeugungen. Hier entwickelte er beispielsweise das wegweisende Konzept einer „Weltliteratur“. Die von Prof. Dr. Hendrik Birus, Prof. Dr. Anne Bohnenkamp-Renken und Prof. Dr. Wolfgang Bunzel kuratierte Ausstellung stellt das einzigartige Zeitschriftenunternehmen in seinen einzelnen Aspekten vor.
Sechs große Werke – allesamt Brief- und Gesprächsbücher – hat Bettine von Arnim zu Lebzeiten publiziert, ein weiteres, Letzte Liebe, blieb ungedruckt. Im Januar 1839 ist Bettine von Arnim nach der Veröffentlichung von Goethes Briefwechsel mit einem Kinde 1835 eine Berühmtheit. Zahlreiche junge Männer, begeistert von der Frische dieses Buches, versuchen, Kontakt mit ihr aufzunehmen. Einer von ihnen ist der Jura-Student Julius Döring aus Wolmirstedt. Er gewinnt Bettines Zuneigung, und die über 50-Jährige erwidert die Gefühle des 32 Jahre Jüngeren. Ihre ungleiche Beziehung dauert etwa zwei Jahre, in denen sie sich hauptsächlich schriftlich austauschen. Spannungen entstehen, als Bettine versucht, Julius' beruflichen Werdegang zu beeinflussen und ihn als literarischen Mitarbeiter zu gewinnen. Julius hingegen leidet unter Eifersucht, da Bettine auch mit anderen jungen Männern verkehrt. Eine antisemitische Äußerung von ihm gegenüber einem „Konkurrenten“ beendet schließlich die Briefbeziehung, und Bettine bricht den Kontakt ab. Die faszinierende Korrespondenz zwischen der Grande Dame der Romantik und ihrer „letzten Liebe“ wird nun erstmals vollständig und ungekürzt veröffentlicht. Diese sehr persönlichen und subtil erotischen Briefe zeigen Bettine als späte Liebende, die die Fäden der Beziehung stets in der Hand behält und das Bild dieser couragierten Frau um eine neue Facette bereichert.