Was haben der Ukraine-Krieg, die aggressive Außenpolitik der imperialistischen bzw. neoliberalen Staaten, das Bedingungslose Grundeinkommen und die Demütigung der Ostdeutschen miteinander zu tun? Auf den ersten Blick: nichts. Erst beim zweiten (und bei der Lektüre dieser drei Essays) wird deutlich: Die darin behandelten Probleme haben einen einzigen Ursprung: Sie wurzeln im gesellschaftlichen Charakter und in neoliberalen Modernisierungen des Systems, das seit anderthalb Jahrhunderten expansiv dabei ist, die ganze Welt sich kommerziell und ideologisch untertan zu machen. Poldrack führt den Nachweis auf drei Feldern, untersucht den Überbau und wie auf diesen Einfluss genommen wird, um politische und wirtschaftliche Ziele durchzusetzen. Und nebenbei wird auch bezeugt, was wir nicht erst seit Helmut Kohl wissen: Alles hängt mit allem zusammen.
Horst Poldrack Knihy


Horst Poldrack widerspricht allen gängigen Befunden. Die Ostdeutschen wenden sich nicht von der Demokratie ab, sondern von einem System, das sie für eine Scheindemokratie halten. Sie sind seit jeher misstrauisch gegenüber eigennützigen Machteliten und hohlen, verlogenen Narrativen. Sie begehren heute mehrheitlich auf gegen die regelbasierte Fassadendemokratie des Westens. Die Erfahrung von 1989 hat zwar den Glauben an die Veränderbarkeit von Machtverhältnissen gestärkt. Doch immer mehr Menschen reagieren störrisch und irrational, weil sie ohnmächtig erleben müssen, wie die regierende Politik die Probleme und Krisen verschärft statt zu lösen. Womit beide Seiten objektiv gegen ihre eigenen Interessen handeln. Horst Poldrack analysiert, warum das so ist. Er konstatiert, dass der moderne Kapitalismus mit seiner Eigendynamik Menschen hervorbringt, die sich ihrem Vormund freiwillig ausliefern und »nach und nach die Fähigkeit einbüßen, selbstständig zu denken, zu fühlen und zu handeln«. Das sah schon Alexis de Tocqueville so, als er 1835 »Über die Demokratie in Amerika« schrieb.