Einspruch aus christlicher Sicht - das biblische Lebensverständnis steht gegen
die 'Tyrannei des gelingenden Lebens' in der Identitätspsychologie, im Kontext
von Gesundheit und Krankheit sowie bei der Sinnsuche.
Der Band vereint Beiträge eines Symposiums und eines anschließenden Arbeitstreffens an der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig. Das Thema reagiert auf die Sprachunfähigkeit der Christen hinsichtlich ihres Glaubens und die Vermutung, dass die Dogmatik dazu beiträgt. Dogmatische Begriffe wie Schöpfung, Allmacht und Sünde sind oft unverständlich geworden, was es erschwert, die biblische Tradition als Orientierungswissen zu kommunizieren. Die Dogmatik sollte, wie Paul Ricoeur sagt, diese Begriffe zerbrechen und die Geschichten des sich erbarmenden Gottes erzählen. Ein grundlegender Teil behandelt die aristotelische Argumentation (M. Landfester), das Erzählen nach Ricoeur (D. Hiller) und den Pluralismus der biblischen Tradition (G. Schneider-Flume). Ein kritischer Beitrag betrachtet das Thema aus der Sprachphilosophie (M. G. Petzoldt). Exegetische Beiträge analysieren die Redeformen im Hiobbuch (R. Lux), die Erzählungen über Jesus Christus (O. Wischmeyer) und den Redaktor als Erzähler des Markusevangeliums (E.-M. Becker). Dogmatische Aufsätze thematisieren die Rede von Gott (W. Krötke), die Bedeutung der Reich-Gottes-Gleichnisse (M. Petzoldt), die Schöpfung als erzählte Geschichte (O. Bayer) und den Menschen als Sünder in Gottes Geschichte (G. Schneider-Flume).
Theologische Überlegungen zum demographischen Wandel und zum Alter(n)
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Gesellschaften stehen heute vor der Herausforderung des demografischen Wandels, insbesondere der Überalterung, die ein Umdenken über das Alter erfordert. Alterszugehörigkeit zum Leben wird oft verdrängt, und das Alter wird als defizitäres Minderleben betrachtet. Diese Sichtweise führt dazu, dass der Reichtum dieser Lebensphase verspielt wird und Alter als „uneigentliches Leben“ abgewertet wird. Der Gegensatz zwischen Leben und Alter wird durch die gesellschaftliche Ausgrenzung älterer Menschen aus dem Berufsleben verstärkt, während sie nach den Maßstäben der Arbeits- und Leistungsgesellschaft beurteilt werden. Alte Menschen gelten als nicht mehr produktiv, als die „Generation-Nicht-Mehr“. Gerontologen sehen Produktivität als Lösung für die finanziellen Herausforderungen und den Verlust individueller Kräfte im Alter. Dennoch sollte die Tyrannei von Erfolg und Leistung nicht dominieren. Die christliche Tradition bietet ein Lebensverständnis, das Lebensspielräume jenseits des Berufslebens eröffnet. Leben ist nicht nur Leistung, sondern auch ein Geschenk, das sich als bedingungslos erweisen kann. Eine altersintegrierte Gesellschaft könnte das Leben im Kontext der Barmherzigkeit verstehen, die Raum und Zeit vor aller Leistung gewährt. Gottes Geschichte trägt menschliches Leben in allen Phasen, vom ersten bis zum letzten Atemzug.