Zukunft ist Gegenwart, und Zukunft hat Geschichte: Acht Autorinnen und Autoren aus Wissenschaft, Erinnerungskultur, Publizistik und Kunst blicken pointiert auf die Umbruchzeit und ihre Utopien. In den Zukunftsvorstellungen von 1989/90 suchen sie nach Inspirationen für unsere Gegenwart und kommende Zeiten – und erkunden dabei Themen, die auch künftig aktuell bleiben: Zusammenleben, Demokratie, Lebens-entwürfe und Identitäten.
Als die DDR und das franquistische Spanien 1973 diplomatische Beziehungen aufnahmen, kam dies für viele Zeitgenossen überraschend und brachte die politisch Verantwortlichen in Ost-Berlin und Madrid gleichermaßen in Erklärungsnot. Denn in der DDR gehörten antifranquistische Propaganda und ideologische Verklärung des spanischen Bürgerkriegs zur Staatsräson, Franco- Spanien verstand sich als antikommunistisches Bollwerk. So brisant die Beziehungsaufnahme war, so außergewöhnlich blieben die bilateralen Beziehungen, die sich auf politischer, kultureller und wirtschaftlicher Ebene zwischen Ideologie und Pragmatik bewegten. Gestützt auf zahlreiche deutsche und spanische Archivalien verortet Jenny Baumann die Beziehungskonjunkturen in diesem Spannungsfeld und im Kontext des Kalten Krieges. Dabei beschreibt sie erstmals die Versuche der DDR, nach Francos Tod zunächst Einfluss auf den spanischen Demokratisierungsprozess und schließlich auf die Regierungen der spanischen Sozialisten zu nehmen. Ergänzt um Gespräche mit ehemaligen ostdeutschen und spanischen Diplomaten dokumentiert Jenny Baumann ein bislang unerforschtes außenpolitisches Engagement der DDR und bietet neue Einblicke in Schlüsselmomente der spanischen Zeitgeschichte.