Little Nemo ist zwar nur ein kleiner Comicheld, aber trotzdem einer der größten Traumreisenden des 20. Jahrhunderts. Den unruhigen Schläfer zog es wöchentlich in einem ganzseitigen Comicstrip von seinem Bett aus nach Slumberland, wo er wundersamen Gestalten begegnete und in psychedelischen Szenerien fantastische Abenteuer erlebte. Nemos Schöpfer, Winsor McCay (1869‒1934), war eine der Schlüsselfiguren der amerikanischen Unterhaltungsindustrie zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Bereits anderthalb Jahrzehnte vor Walt Disney definierte er die Standards des Animationsfilms, die über Generationen hinweg ihre Gültigkeit behalten sollten. Doch vor allem seine geliebten Comicfiguren machten ihn berühmt. Sein virtuoses Spiel mit Panelaufteilung, Perspektiven, Timing und Erzählebenen sowie sein Interesse an architektonischen Details haben zahlreiche Künstler beeinflusst, darunter Robert Crumb und Federico Fellini.
Kaum jemand hat den Comic so sehr geprägt wie der amerikanische Autor und Zeichner Will Eisner!Fast 70 Jahre lang arbeitete er in dem Medium, von seinen Anfängen während des Comic-Hefte-Booms Ende der 1930er Jahre, bis zu seinem eigenen stilprägenden Charakter „The Spirit“, der von 1940–1952 als Zeitungsbeilage erschien und die Grenzen des Erzählens mit Bildern immer wieder neu auslotete. Filmische Schnitte, ungewöhnliche Perspektiven, überraschende Seitenkompositionen, nie gesehene Verbindungen von Text und Bild – mit „The Spirit“ wandte sich Eisner vornehmlich an ein erwachsenes Publikum und verfolgte literarische Ambitionen.Anschließend zeichnete er Lehr- und Sach-Comics für große amerikanische Unternehmen und für das US-Militär. Erst 1971 meldet er sich auf dem Comic-Markt zurück. Mit Ein Vertrag mit Gott legt er 1978 seine erste Graphic Novel vor und begründet damit ein neues literarisches Genre. Es folgen knapp zwanzig weitere Titel, darunter die autobiografisch inspirierten Werke The Dreamer und Zum Herzen des Sturms sowie 2005, kurz vor seinem Tod, Das Komplott – Die wahre Geschichte der Protokolle der Weisen von Zion in der er die Entstehung dieser antisemitischen Fälschung zum Thema macht.Eisner erhielt zahlreiche internationale Preise, darunter den „Grand Prix Alfred“ und den „Lifetime Achievement Award“ der National Foundation for Jewish Culture. Auch der bedeutendste Comic-Preis der USA ist nach ihm benannt!
Comics entstanden um 1897 in Form von farbigen Sonntagsbeilagen in den großen amerikanischen Tageszeitungen. Sie erreichten als erstes bebildertes Massenmedium zig Millionen Leser pro Tag und setzten sich sofort an die Spitze der Unterhaltungsindustrie. Lange wurde übersehen, wie innovativ und experimentell die frühen Comic-Pioniere waren und dass sich ihre Arbeiten häufig auf Augenhöhe mit der künstlerischen Avantgarde der Zeit befanden. Winsor McCay nahm ab 1905 den Surrealismus vorweg, so wie George Herriman in Krazy Kat ab 1913 Aspekte des Absurden Theaters etablierte. Cliff Sterretts Szenarien der späten 1920er-Jahre erinnern an expressionistische Stummfilme, während Frank O. King mit Gasoline Alley das Erzählen in Echtzeit probierte. Lyonel Feininger nicht zu vergessen, der 1906/07 mit zwei Comicserien seinen Weg zur künstlerischen Unabhängigkeit beschritt. Ausstellung: Schirn Kunsthalle Frankfurt, 23.6.–18.9.2016
"Katzenjammer" erzählt von den Brüdern Rudolph und Gus Dirks, die Ende des 19. Jahrhunderts in den USA als deutsche Immigranten einen kometenhaften Aufstieg im Verlag von William Randolph Hearst erlebten. Die Monographie bietet Einblicke in ihr Leben und Werk, ergänzt durch bislang unveröffentlichte Originalseiten und Fotodokumente.
Anime, die japanische Form des Zeichentrickfilms, hat seit den 1970ern die westliche Kultur beeinflusst. Während die erste Generation japanische Filme oft nicht erkannte, fand die Generation von Dragon Ball und Sailor Moon ab den 1990ern die Exotik stimulierend, was zu einer globalen Jugendkultur führte. Studio Ghibli gewann 2003 einen Oscar für Chihiros Reise ins Zauberland.
Horror-Comics gibt es seit den frühen 1950er-Jahren. Sofort wurden sie von konservativen Kräften der amerikanischen Gesellschaft der McCarthy-Ära angefeindet, was 1954 zur Verabschiedung eines Selbstzensur-Codes der Industrie führte. Zensur ist eigentlich ein No-Go für westliche Demokratien, aber Horrorcomics – insbesondere die des EC-Verlags – waren zu subversiv, zu gesellschaftskritisch und zu autonom im Sinne einer unerwünschten Jugendkultur. Ab den späten 1960er-Jahren setzte schließlich eine Liberalisierung ein und Horror wurde zu einer festen Größe der Pop- und Comic-Kultur. Vampire, Werwölfe, Frankensteins Monster: sie alle wurden jetzt auch als Comic adaptiert. Dazu Geister und Dämonen, Okkultismus und Zombies, sowie Manga-Gore aus Japan. Diese Publikation präsentiert 70 Jahre Horror-Comics, vorgestellt durch seltene Dokumente und Meisterwerke von Graham Ingels, Jack Davis, Bernie Wrightson, Richard Corben, Mike Mignola, Hideshi Hino, Shintaro Kago u.v.m. – darüber hinaus liefert Alexander Braun ganz nebenbei auch einen spannenden Ritt durch Gesellschafts- und Kulturgeschichte.
Katalog zu Ausstellungen:Museum Huelsmann, Bielefeld, 7. November 2008 Bis 5. April 2009;Rwe Tower, Dortmund, April Bis Juni 2009;Galerie Der Stadt Remscheid, Januar Bis März 2010
Mitten in Europa tobt ein grausamer Krieg, der Millionen von Menschen in Mitleidenschaft zieht, Familien zerstört und Wirtschaftskraft pulverisiert. Vom Zaun gebrochen wurde das Elend von Russland und Wladimir Putin, um alte Großmachtsfantasien wiederzubeleben. Die Nachrichten verkünden bloße Fakten. Die Comics in diesem Band berichten von den Menschen und ihren Emotionen. Mit Beiträgen von: Borys Filonenko, Anna Ivanenko, Zhenya Oliinyk, Jenya Polosina, Antony Reznik, Leo Reznik, Katerina Sergatskova, Danyl Shtangeev und Bohdana Zaiats Katalogbuch zur gleichnamigen Ausstellung "UKRAINE COMICS – Leben in der Kriegszone" vom 6. Juni bis 2. November 2025 im schauraum: comic + cartoon Dortmund
Die erste vollständige Sammlung aller 549 Episoden von Little Nemo, ergänzt durch eine 140-seitige Einführung des Kunsthistorikers Alexander Braun. Entdecken Sie Winsor McCays bahnbrechendes Comic-Meisterwerk und begleiten Sie Nemo auf seinen fantastischen Traumreisen in eine Wunderwelt voller erstaunlicher Dinge.
Zu Matt Groenings 70. Geburtstag und 35 Jahre Simpsons zeigt der schauraum: comic + cartoon in Dortmund eine exklusive, einzigartige Ausstellung. Alle Aspekte des gelben Jahrhundert-Phänomens werden umfangreich beleuchtet: Original-Drehbücher, Original-Storyboards, Original-Entwurfsskizzen sowie originale Zeichnungen und farbige Folien aus der Trickfilmproduktion. Es gibt Original-Artwork der Comic-Hefte zu sehen, überraschende Hommagen von befreundeten Künstlern und selten gesehenes Merchandise. Der seitenstarke Ausstellungskatalog von Dr. Alexander Braun enthält tiefgehende Kapitel mit überraschenden neuen Informationen zu Leben und Werk von Matt Groening sowie ein ausführliches Interview mit Chefzeichner Bill Morrison. Das Buch begleitet und erläutert den Entstehungsprozess der Simpsons-Folgen, untersucht die popkulturelle Wirkung der Serie und offenbart zahlreiche interessante Funde aus aller Welt. Durchgehend bebildert mit einzigartigen, bisher nie gezeigten Artefakten ist dieser Ausstellungskatalog das neue Standardwerk zum Phänomen. Die Simpsons, erdacht und bis heute begleitet von Matt Groening, sind der größte Medienerfolg aller Zeiten. Keine andere Fernsehserie hat eine so lange Laufzeit, so viele Folgen und eine vergleichbare globale Verbreitung vorzuweisen wie Die Simpsons. Von Alaska bis Indien, von Finnland bis China, und selbst in Russland ist die gelbe Familie wohlbekannt - und das, obwohl sie sehr amerikanisch, häufig sarkastisch und schwarzhumorig bis an die Schmerzgrenze ist. Zunächst 1987 als kurze, einminütige Pausen-Gags für die Tracy Ullman Show in Auftrag gegeben, waren die Simpsons nach zwei Jahren solche Publikumslieblinge, dass man sich 1989 eine eigenständige Animations-Reihe zutraute. Allerdings prognostizierten die Macher der knapp halbstündigen Animations-Show eine Lebensdauer von nur ein bis maximal drei Jahren. Zu subversiv erschien der Humor, zu bissig und gesellschaftskritisch waren die Pointen, dass man sich vorstellen konnte, dass das ein Massenpublikum zur Primetime am Abend auf lange Zeit begeistern könnte. Wie wir heute wissen: Es kam anders. Binnen weniger Monate waren die Simpsons in aller Munde, Merchandise-Produkte überschwemmten die Regale und spülten Milliarden-Beträge auf die Konten der Verantwortlichen. Eine wahrlich postmoderne Erfolgsgeschichte: Nicht der kleinste gemeinsame Nenner des Publikumsgeschmacks führte zum Erfolg, sondern das Nonkonformistische, Unangepasste: In den Simpsons wird geflucht und geraucht und Figuren haben Sex. Man macht sich lustig über die Moralvorstellungen von Kirche und Konservativen und verhöhnt die Sicherheitsversprechen der Atomindustrie. Die Drehbuchautoren surfen fröhlich auf den Wellen der Kulturgeschichte und Popkultur. V.I.Ps aus Film, Fernsehen und Popkultur reißen sich um einen Gastauftritt bei den Simpsons, der sie dann häufig noch nicht einmal gut aussehen lässt. Wer nicht über sich selbst lachen kann, ist bei den Simpsons fehl am Platz.
Nach Ende des Krieges teilten sich die Kriegs-Comics in das große Lager jener, die den historischen Kontext als Folie für heroische Heldengeschichten nutzten (Marvel, DC etc.), während ein Verlag wie EC bereits ab den frühen 1950er-Jahren – unter Federführung von Harvey Kurtzman, Erfinder des MAD Magazins – atemberaubend ambitionierte Anti-Kriegserzählungen vorlegte.Die 1970er-Jahre erlebten dann eine sukzessive Enthistorisierung des Themas. Cross-over-Produktionen des Kriegs-, Horror- oder Fantasy-Genres hielten Einzug, und die Figur des Nazis wurde neben Vampiren, Werwölfen und Zombies zum festen Bestandteil des Kanons des Bösen. Die Ausstellung zeigt knapp 100 seltene, bis heute überwiegend noch nie ausgestellte Originalzeichnungen und Dokumente.Es erscheint ein 224 Seiten starker Katalog mit über 300 Abbildungen. Das Buch ist nur in der Ausstellung erhältlich.(aus dem Flyer der Ausstellung)
Die Grundsituation ist simpel: Eine schwarze Katze liebt eine durchtriebene weiße Maus, die ihr ständig Ziegelsteine an den Kopf wirft. Der Hundepolizist Offissa Pupp, heimlich in die Katze verliebt, versucht, dies zu verhindern. George Herrimans legendärer Zeitungsstrip, der von 1913 bis 1944 erschien, variiert diesen Plot auf so geistreiche Weise, dass er ein breites Publikum anspricht, darunter literarische Größen wie Gertrude Stein, F. Scott Fitzgerald und Pablo Picasso. Die absurd-melancholischen Variationen über unerwiderte Liebe konnten dank Medien-Tycoon William Randolph Hearst, einem eingefleischten Fan, so lange bestehen. Herriman nutzte die Freiheit, die ihm Hearst gewährte, um die Möglichkeiten des Comics radikal auszuschöpfen. Er sprengte formale Grenzen und präsentierte der Leserschaft surreale, dadaistische Szenarien sowie eine Sprache voller Slang, Neologismen und Anspielungen. Zudem ließ er Geschlechterrollen diffus, was Krazy Kat zum ersten gender-fluiden Star der Comic-Geschichte macht. Dieser Band enthält alle farbigen Krazy-Kat-Geschichten aus den Jahren 1935–1944 und bietet eine ausführliche Einleitung von Comicfachmann Alexander Braun, der Herrimans multi-ethnischen Hintergrund beleuchtet und das Außergewöhnliche dieses zeitlosen Gesamtkunstwerks erforscht.
Winsor McCay (1869–1934) war eine der Schlüsselfiguren der amerikanischen Unterhaltungsindustrie zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Als Pionier des Animationsfilms schrieb er Filmgeschichte, berühmt aber machten ihn seine Geschichten um Little Nemo, einen kleinen Helden im Pyjama, der zum größten Traumreisenden des 20. Jahrhunderts wurde. Allwöchentlich zog es McCays Protagonisten in einem ganzseitigen Zeitungscomicstrip vom Kinderbett schnurstracks nach Slumberland, wo er wundersamen Gestalten begegnete und in psychedelischen Szenerien surreale Abenteuer erlebte. Winsor McCays virtuoses Spiel mit Panelaufteilung, Perspektiven, Timing und Erzählebenen sowie sein Interesse an architektonischen Details hat zahllose Künstler beeinflusst, darunter Robert Crumb und Federico Fellini. Winsor McCays Little Nemo – Gesamtausgabe 1905–1909 enthält in prächtiger Kolorierung sämtliche 220 Abenteuer Nemos. Im illustrierten, 150-seitigen Einführungsessay setzt sich der Kunsthistoriker und Comicexperte Alexander Braun kenntnisreich mit der kunst- und kulturhistorischen Bedeutung von McCays Traumerzählung auseinander und zeichnet das wechselvolle Leben McCays nach, eines der innovativsten und kühnsten Pioniere der Comicgeschichte.