Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft 1991
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Goethes Wort, in der Beschränkung zeige sich der Meister, kann auf niemanden besser zutreffen als auf Matthias Claudius (1740-1815). Im Kreise seiner Familie fand er jenen Punkt, von dem aus er die Welt draußen zu betrachten, beurteilen und in seinem literarischen Werk einzufangen vermochte. Die Schattenseite dieser für ihn idealen Existenz als Vater, Erzieher und Freund seiner Kinder war lange Zeit die finanzielle Not, die ihn zwang, eine Vielzahl von Artikeln, Gedichten, Rezensionen zu veröffentlichen - bis 1785 der dänische König dem „Wandsbecker Bothen“ eine Pension aussetzte. Das Leben Matthias Claudius' mit seinen Höhen und Tiefen zieht in farbiger Darstellung an uns vorbei; in die Biographie verwoben sind Proben aus dem Werk Claudius', dessen scheinbar kunstlose Einfachheit und natürliche Grazie noch heute ganz unmittelbar ansprechen: lebensfroh in der Poetisierung häuslicher Erlebnisse etwa in dem humorvollen „Kartoffellied“ - angstvoll beschwörend im „Kriegslied“.
Mit seiner Dissertation über den , Volksschriftsteller Karl May„ hat Heinz Stolte 1936 den Grundstein zu einer literaturwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit einem Autor gelegt, dessen Werk sich lange Zeit als , trivial“ verpönt war und mit dessen Leben niemand ernsthaft beschäftigte. Anlässlich des 75. Geburtstages von Heinz Stolte fasst dieser Band zwölf Aufsätze zusammen, die er seit 1971 im Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft veröffentlichte. Darunter befindet sich als umfangreichster Text , Ein Literaturpädagoge. Untersuchungen zur didaktischen Struktur in Karl Mays Jugendbuch , Die Sklavenkarawane'„; außerdem befasst sich der emeritierte Germanistikprofessor mit , Dichtung und Wahrheit in den Reiseerzählungen Karl Mays“, der , Affäre Stollberg„ als eines denkwürdigen Ereignisses in Mays Leben, mit der , Rezeption der Toleranzidee Lessings bei Karl May“ und gibt Denkanstöße zum Weltfriedensgedanken Karl Mays. Weitere Beiträge untersuchen , Komik und Humor bei Karl May„, den Roman , Weihnacht!“ oder stellen , Hiob May" zur Diskussion.
Dieses Buch enthält eine abgerundete lebensgeschichtliche Darstellung eines der wichtigsten Kapitel der persönlichen Sphäre Karl Mays sowie eine vorurteilslose Analyse der Persönlichkeit Emmas, der späteren geschiedenen Ehefrau des Schriftstellers. Außerdem werden der biographischen Forschung hier erstmals viele private Briefe von Karl und Emma May zugänglich gemacht. Mit 17 Abbildungen, 13 Faksimilewiedergaben und den Amtsgerichtsakten Stollberg und Dresden.