Angela Kühner Knihy



Trauma und kollektives Gedächtnis
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Können auch Kollektive ein Trauma erleiden? Um eine Antwort zu finden, wird einerseits der Traumabegriff genauer untersucht, andererseits geht es um die wichtige Frage, was wir eigentlich über kollektiv wirksame psychische Prozesse wissen: Massenpsychologie, kollektive Identität und kollektives Gedächtnis sind dafür Schlüsselkonzepte - nicht nur für die Sozialpsychologie -, die hier verständlich dargestellt und dann auf das Trauma bezogen werden. An Beispielen wie dem 11. September, dem Amselfeld-Mythos, dem Trauma der Sklaverei und dem Holocaust wird herausgearbeitet, wie unterschiedlich die Phänomene sind, die sich hinter dem Begriff des »kollektiven Traumas« verbergen.
Es ist intuitiv einleuchtend und plausibel, dass es Ereignisse gibt, die als »kollektive Traumata« wirken. Bei genauerem Hinsehen ist das Phänomen jedoch schwer zu fassen, und der inflationäre Gebrauch von individuellem wie kollektivem Traumabegriff erweist sich als wissenschaftliches und ethisches Problem, v. a. durch seine implizite Parallelisierung extremer und weniger extremer (kollektiver) Verletzungen. Von der ausführlichen Darstellung typischer Traumaphänomene ausgehend, werden Interdependenzen zwischen individuellem Trauma und Gesellschaft und trauma-analoge Prozesse auf gesellschaftlicher Ebene diskutiert. Im zweiten Teil werden diese Überlegungen auf konkrete Fälle von man-made-desaster angewandt: z. B. den 11. September 2001, die Friedensbewegung der Vietnamveteranen und Wahrheitskommissionen als kollektive »Heilungsversuche«.