Für die psychoanalytische Theorie stellt sich die Frage, ob Glauben eine innere Notwendigkeit darstellt, der sich kein Mensch entziehen kann. Glaube wäre in diesem Falle ein wesentlicher Teil der Kulturfähigkeit des Menschen, zugleich aber auch seines Leidens an dieser Kultur. In der analytisch-therapeutischen Arbeit werden individuelle und kollektive Glaubenssysteme untersucht. Die Aufgabe des Über-Ich, des Ich-Ideal und auch des grandiosen Selbst nimmt dabei eine zentrale Rolle ein. Doch auch Psychoanalytiker selbst geben ihr 'Nicht-Wissen' zu oft zugunsten eines gläubigen 'Wissens' auf, z. B. in Bezug auf eine Deutung und ihren Wert oder auf eigene Theorien und ihre Hintergrundannahmen. Dieser Band enthält die Vorträge der 54. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie. Die Beiträge zeigen, wie vielfältig bis heute die Verknüpfungspunkte mit Glauben in der täglichen theoretischen und praktischen Arbeit sind und wie unterschiedlich Psychoanalytiker ihre Erfahrungen in ihrem Denken konzeptualisieren.
Alf Gerlach Knihy


Bibliothek der Psychoanalyse: Die Tigerkuh
Ethnopsychoanalytische Erkrankungen
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Der Autor, praktizierender Psychoanalytiker und ethnopsychoanalytischer Forscher, untersucht psychoanalytische Anwendungen in der Therapie von Menschen aus fremden Kulturen und in der ethnopsychoanalytischen Erforschung massenpsychologischer Phänomene. Neben der Erprobung der von Devereux entwickelten komplementaristischen Methode am Beispiel von Kannibalismus und Hexenforschung weisen Einblicke in die psychoanalytische Arbeit mit Patienten aus fremden Kulturen und Berichte über ethnopsychoanalytische Forschung in China auf einen erweiterten Anwendungsbereich der Psychoanalyse hin. Darin spiegelt sich die Überzeugung Gerlachs, daß die Psychoanalyse sich nicht auf ihre Praxis als therapeutische Methode beschränken darf, sondern sich als generelle Wissenschaft vom Unbewußten des Menschen verstehen muß.