Fritz H. Landshoff und der Querido Verlag, 1933-1950
mit einer Bibliographie Querido
- 285 stránek
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mit einer Bibliographie Querido
Europäisches Appeasement und überseeische Asylpraxis
Die Folgen der Appeasement-Politik liessen schlagartig die UEberlebensmoeglichkeiten der exilierten Schriftsteller schrumpfen, dies umso mehr, als zugleich die noch verbliebenen europaischen Fluchtstaaten der einsetzenden neuen Fluchtbewegung mit verscharften Restriktionen und einer gesteigerten Fremdenfeindlichkeit begegneten.
Anna Seghers’ Transit ist ein existenzieller, politischer, literarischer Thriller, der die Qualen der Langeweile, die Vitalität des Geschichtenerzählens und das Schicksal der Exilanten mit außergewöhnlichem Mitgefühl und Einsicht erkundet. Nachdem der namenlose siebenundzwanzigjährige deutsche Erzähler von Seghers’ vielschichtigem Meisterwerk 1937 aus einem Nazi-Konzentrationslager in Deutschland und später aus einem Lager in Rouen geflohen ist, landet er im staubigen Hafen von Marseille. Auf dem Weg dorthin wird er gebeten, einen Brief an einen Mann namens Weidel in Paris zu überbringen, und entdeckt, dass Weidel Selbstmord begangen hat, wobei er einen Koffer mit Briefen und dem Manuskript eines Romans hinterlässt. Während er nach Marseille reist, um Weidels Witwe zu finden, nimmt der Erzähler die Identität eines Flüchtlings namens Seidler an, obwohl die Behörden denken, er sei tatsächlich Weidel. Dort im riesigen Warteraum von Marseille unterhält sich der Erzähler mit den Flüchtlingen, hört ihre Geschichten bei Pizza und Wein und fügt allmählich die Geschichte von Weidel zusammen, dessen Manuskript die „tödliche Langeweile“ des Erzählers durchbrochen hat und ihm ein tieferes Bewusstsein für die vergängliche Welt der Flüchtlinge vermittelt, während sie warten und warten auf das kostbarste Gut: Transitpapiere.
Internierung, Flucht und Lebensbedingungen im Zweiten Weltkrieg
Sie wurden als Wirtschaftsparasiten und Überfremdungsflut verleumdet, mit Hilfe bürokratischer Hürden behindert, abgewiesen und zurückgeschickt in Gefahr und Tod. Die Älteren unter ihnen waren oft nicht integrationsbereit, alle versuchten, sich heimatlich einzurichten. Und sie kamen aus Deutschland, Österreich, Europa. – An diese Flüchtlingsschicksale des Exils zwischen 1933 und 1945 erinnerte Hans-Albert Walter mit seinem essayistischen Zwischenruf bereits 1992 anlässlich brennender Unterkünfte für Asylsuchende, steigender Stimmenzahlen für rechtsradikale Parteien und angesichts politischer Taktierer, die gegenüber "besorgten" Bürgern Verständnis zeigen zu müssen glaubten und sich mit entsprechenden Forderungen profilieren wollten. Hans-Albert Walter hat viele Emigranten persönlich gekannt und ihre Schicksale und Werke intensiv erforscht; sein Essay fasst klar zusammen, wie unterschiedlich und doch jeweils typisch sich Flüchtlinge in ihren Aufnahmeländern verhalten und welche Gründe es dafür gibt. Und er erinnert Es ist nicht lange her, da floh man von hier aus. Schnell kann jeder zum Flüchtling werden. Hilfe muss menschliche Selbstverständlichkeit sein. Mit einem Nachwort von Herbert Wiesner
Das Standardwerk „Deutsche Exilliteratur 1933-1950“ von Hans-Albert Walter behandelt die Vorgeschichte des Exils. Bd. 1,1 stellt die Mentalität der Weimardeutschen und die „Politisierung“ der Intellektuellen dar. Bd. 1,2 geht der Frage nach, wie es 1933 zu einer historisch beispiellosen Vertreibung von Autoren, Intellektuellen und Wissenschaftlern kommen konnte.