Knihobot

Karin Krauthausen

    Der Wille zu sehen
    Hütte werden
    Make it Real
    Modell Hütte
    • Modell Hütte

      Von emergenten Strukturen, schützender Haut und gebauter Umwelt

      Die Hütte wird oft als temporäres, improvisiertes Gebilde verstanden, das aus willkürlichem Material geschaffen wird, um schnell einen abgetrennten Bereich zu schaffen. Diese Praxis der Hütte faltet den Raum und ermöglicht ein relatives Innen, das sich vom Außen unterscheidet. Solche temporären Strukturen können zahlreiche Funktionen erfüllen, wie Unterstand, Obdach, Versteck oder Zuflucht. In der Regel wird der Bau nicht planvoll konstruiert, sondern basiert auf einer kreativen Praxis, die oft nicht als solche erkannt wird. Dadurch bildet die Hütte keine eigenständige Kategorie und veranschaulicht die spontane Entstehung von Strukturen, die entweder vergänglich bleiben oder eine eigene Geschichte in Natur und Kultur entwickeln. Das Modell der Hütte erstreckt sich weit über die Architektur hinaus und wird in den Beiträgen des Bandes durch eine Vielzahl von Untersuchungen und Diskursen zu Themen wie Haut, Hülle, Raum, Milieu und Szene sowie zu Nicht-Architektur und Lager/Stadt erschlossen. Die Autoren bringen unterschiedliche Perspektiven und Analysen ein, die die Vielschichtigkeit und Relevanz des Themas verdeutlichen.

      Modell Hütte
    • Hütten sind Schwellenphänomene. Sie setzen einen möglichen Anfang, sei dieser auch noch so flüchtig. Sie bilden Momente des Innehaltens aus oder machen den Versuch einer mindestens temporären Sesshaftigkeit. Hütten emergieren. Solche Emergenzen können schnell wieder vergehen und ephemer bleiben, sie können aber auch zur Reorganisation gegebener physischer und sozialer Räume beitragen, sich zu Siedlungen auswachsen oder sich bestehenden Siedlungen hinzufügen. In jedem Fall lässt die Ausprägung der emergenten Struktur auch Rückschlüsse darauf zu, was man die Struktur der Emergenz nennen könnte – wie also aus der ›bodenlosen‹ und flüchtigen Architekturgeste der Hütte unter Umständen das territorialisierende, feste Haus hervorgeht. Damit ermöglicht die je konkrete Ausprägung auch Einsichten in die Prozesse, bei denen das Gelegentliche und Ausgesetzte der Hütten-Struktur nach der Etablierung des Hauses wieder vergessen, als ›anderes‹ ausgegrenzt oder aber als ein solches ›anderes‹ zum Fluchtort wird. Die Hütte wird zum Haus oder zur Favela oder wird wieder Hütte, aber auch dann fallen Anfang und Ende dieses Heterotopos nicht in eins. Der Essay folgt den Ausprägungen der Hütte in Etymologie und Technikgeschichte, in Anthropologie und Architekturtheorie, in Literatur und Kunst sowie in die biologische Theorie der Nische.

      Hütte werden
    • Der Wille zu sehen

      Zeichnen und Schreiben bei Paul Valéry

      Ob mit Hilfe der graphischen Methode des Physiologen Etienne-Jules Marey oder mit James Clerk Maxwells Anweisungen zur Zeichnung von Magnetfeldern – die Wissenschaften des 19. Jahrhunderts verzeichnen das Unsichtbare und erweitern damit Wissen und Wirklichkeit. Paul Valéry hat die epistemische Bedeutung solcher graphischer Werkzeuge früh erkannt und den modernen Naturwissenschaften einen ›Willen zu sehen‹ zugeschrieben, den er auf die graphisch-visuelle Operativität und einen experimentellen Einsatz der Imagination zurückführt. In dieser Erweiterung des Wissens findet Valéry um 1895 die Neubestimmung des eigenen Schreibens. Der Band rekonstruiert vor diesem Hintergrund Valérys frühe Theorie und Praxis sowie seine Korrektur dieser Position ab den 1920er Jahren, in dessen selbstreflexiver Wende das epistemische Anliegen von Zeichnen und Schreiben nun medienstrategischen Aspekten weicht. Nicht mehr das Schreiben und die Literatur werden über die Zeichnung neu konfiguriert, sondern das Buch wird als eigenwertiger material-ästhetischer Gegenstand manifestiert.

      Der Wille zu sehen