Ihre Schwangerschaft war schwer und überschattet von der ständigen Angst, das Kind könnte zu früh kommen. Als endlich die Wehen einsetzen, rechnete Anna mit einem Kaiserschnitt, denn ihr Frauenarzt hatte festgestellt, dass ihr Becken für eine normale Geburt wahrschienlich zu eng sein würde. Doch der Professor, der ihrem kleinen Christopher auf die Welt helfen sollte, war anderer Meinung. Als er erkannte, dass die Vermutung seines Kollegen stimmte, war es zu spät. Und dann ließ er sich Zeit, viel zu viel Zeit für die Notoperation.
Um Himmelswillen, wo bleibt der Junge? Als ihr kleiner Enkel Bruno nicht zum Essen kommt, meint Elisabeth, die Kontrolle über ihr Leben zu verlieren. Ihre Tochter Cornelia hat sich von ihrem Mann getrennt und nimmt eine »Auszeit« in Pennsylvania. Stella, Brunos hinreißende ältere Schwester, treibt sich mit ihren Peers irgendwo in der Stadt herum. Und Bruno ist einfach weg. Unerreichbar. Einmal noch wollte Elisabeth Verantwortung übernehmen, Cornelia vier Wochen lang alles abnehmen, ohne Wenn und Aber. Doch seit dem Schlaganfall ihres Mannes ist der alte Schwung hin, und helfen kann ihr keiner.
Anna Katharina Hahn entfaltet ein weites Panorama zwischen den Generationen, die einander immer weniger zu sagen haben. Da sitzt Elisabeth mit ihren Enkeln in Stuttgart, dessen Überfluss nicht mehr zu den Nöten der Menschen in ihrer Umgebung zu passen scheint. Auf der anderen Seite meldet sich ihre Tochter aus dem flirrenden Manhattan oder den Weiten eines provinziellen Hinterlands. Durch Bilder und Textnachrichten, die um die halbe Welt geschickt werden, scheint das alles irgendwie zusammenzuhängen. Doch was nützt das, wenn ein Kind nicht nach Hause kommt? Aus und davon ist der Familienroman des 21. Jahrhunderts.
Genießen Sie es, Lucy zu begleiten. Lucy eine sarkastisch zynische, aber doch irgendwie liebenswerte Lady, in den „besten Jahren“. Begleiten Sie sie auf der Suche nach ihrem Spiegelbild, ihrem seelischen Zwilling. Findet sie das andere oder zur Abwechslung auch sich selbst wieder ? Erfrischend lebensfreudige Geschichten, außer für die als „Kollateralschaden“ umkommen. Tja, wer mehr mordet, der lebt auch länger oder umgekehrt, aber das ist wieder einmal eine andere Geschichte.