Kunstgeschichte wird nicht nur geschrieben, sie wird auch gemalt. Dass auch innerhalb der Malerei vermehrt kunsthistorische Ordnungsmodelle entwickelt werden, sobald sich die Kunstgeschichte als akademische Disziplin zu etablieren beginnt, zeigt diese Studie.Mit Blick auf die Zeit um 1800 rekonstruiert die Autorin das feine Bezugsgeflecht zwischen entstehendem Kunstgeschichtsdiskurs und zeitgenössischer künstlerischer Praxis an so unterschiedlichen Orten wie Zürich, Paris, London und New York. Dabei wird deutlich: Die hier analysierten Werke von Marie-Gabrielle Capet, William Dunlap und Johann Heinrich Wilhelm Tischbein illustrieren nicht bereits vorhandene kunsthistorische Narrative, sondern bringen selbst Vorschläge zu ihrer adäquaten Einordnung hervor - und weisen andere zurück. Geschichtsschreibung ist folglich nicht der einzige epistemologische Zugang zu (Kunst-)Geschichte und nicht die einzige Möglichkeit zu deren aktiver Gestaltung: In der Malerei selbst gibt es ein analoges Phänomen, das hier für die Zeit um 1800 erstmals umfassend nachgezeichnet wird.
Léa Kuhn Knihy



Wer PRO DOMO redet, spricht für das eigene Haus , das heißt in eigener Sache. Auf welche Weise Vertraute von Künstler:innen aktiv und nachhaltig Kunstgeschichte gestalten, untersucht dieser Band. Aus dem direkten Umfeld von Künstler:innen versuchen sich immer wieder Personen an einer PRO DOMO-Kunstgeschichte: im Medium des Textes, der Fotoreportage, des Films oder des Digitalen. Solche Formen einer oft dezidiert parteiischen Kunstgeschichtsschreibung werden hier erstmals umfassend analysiert. Den Ausgangspunktbilden Schriften, die meist im unmittelbaren Umfeld von Künstler:innen zuweilen auch in direkter Kooperation entstanden sind und die somit gleichsam für diese das Wort ergreifen. Thematisch spannt das Buch einen Bogen vom 15. Jahrhundert bis in die Gegenwart und fragt auch danach, was dieses PRO DOMO-Prinzip für die Kunstgeschichte insgesamt bedeutet und wie heute mit einer solchen Involvierung umzugehen ist.
Lehrer, Mentor der Berliner Schüler, unwissender Lehrmeister – Harun Farocki wird als jemand beschrieben, von dem man lernen kann. Diese Beschreibungen sind nicht unbegründet, denn Farocki unterrichtete seit den 1980er Jahren an verschiedenen Universitäten und Akademien (dffb, University of California in Berkeley, Akademie der bildenden Künste Wien). Dennoch stehen sie im Widerspruch zu Farockis Selbstverständnis, da er sich als Schulabbrecher sah und oft von seiner autodidaktischen Ausbildung sprach. Die Essays in diesem Band beleuchten didaktische Aspekte in Farockis Werk anhand von zehn Begriffen, die von seinen Lehrmeistern und Vorbildern über grundlegende Operationen des Zeigens und Vergleichens bis hin zu Erziehungspolitiken und Untersuchungsobjekten wie dem Fernsehen reichen. Harun Farocki (1944-2014) war ein deutscher Filmemacher, Autor und Dozent, der zu den bedeutendsten Vertretern des Essayfilms zählt und über 90 Filme realisierte. Philipp Goll ist Medienforscher, während Anne Röhl zur Geschichte der Kunstausbildung forscht.