Übersetzbarkeit
Jalta. Positionen zur jüdischen Gegenwart 07
In Gen 11,1-9 wird erzählt, dass die Menschen zusammenkamen, um einen Turm zu bauen, der bis zum Himmel reichen sollte. Zu dieser Zeit hatte die gesamte Erde "Eine Sprache und einerlei Worte". Als Gott dies sah, verwirrte er ihre Sprache und stoppte das Projekt des Turmbaus zu Babel. Eine mögliche Interpretation ist, dass die einheitliche Sprache die Fähigkeit der Menschen zum kollektiven Handeln symbolisiert. Die babylonische Sprachverwirrung könnte den Verlust der Fähigkeit darstellen, die Unterschiede der Menschen zu verstehen und für ein gemeinsames Ziel zu nutzen. Die siebte Ausgabe von Jalta beleuchtet Übersetzbarkeit als zentrale Frage in einer radikal vielfältigen Gesellschaft. Was ist nötig, um Sprachen zu übersetzen? Wo finden Übersetzungsprozesse statt? In welcher Weise kann Übersetzung ein Akt der Aneignung sein, der die Besonderheit der Differenz nivelliert und ihr eine Funktion zuweist? Was bedeutet Unübersetzbarkeit? Wie können Störungen in Übersetzungsprozessen produktiv gemacht werden? Welche Potenziale bieten neue kollektive Sprachschöpfungen?
