Die Texte in Im Kielwasser der Zeit − überwiegend Kurzgeschichten − gliedern sich in zwei Sektionen: „Herkunft“ und „Begegnung“. In „Herkunft“ ist der Blick auf Estland gerichtet, das Land, in dem die Autorin geboren wurde, das sie als Kind verlassen musste und in das sie nach 1991 zurückkehrte und in verschiedenen Aufgaben tätig war. „Herkunft“ thematisiert Familienvergangenheit, rekonstruiert und imaginiert Lebensläufe der Vorfahren. Die politische und gesellschaftliche Entwicklung unter kurzer deutscher und sehr langer sowjetischer Besatzungszeit durchdringt das Erzählte. „Begegnung“ fängt Momente ein, in denen intensiver Kontakt zwischen Menschen entsteht; es wird deutlich, wie sich Begegnungsweisen in den vergangenen 60 Jahren verändert haben.
Maria Bosse-Sporleder Knihy



Virginia Woolf ist fünfzig Jahre alt und steht auf der Höhe ihres Ruhms als Schriftstellerin. Der Roman »Die Wellen« wird vollendet, »Flush« erscheint, die Arbeit an »Die Jahre« - es wird ihr vorletzter Roman sein - wird im Tagebuch intensiv begleitet. Die Eindrücke von Reisen mit Leonard Woolf nach Frankreich, Italien, Griechenland sind in fast täglichen Notaten dokumentiert. Mit Sorge beobachten beide den heraufkommenden Faschismus und die wachsende Kriegsgefahr in Europa. Aufmerksam und ernsthaft registriert Virginia Woolf ihre Gespräche mit Künstlern und Schriftstellern, beteiligt sich aber auch mit Freude am Gesellschafts- und Familienklatsch.
1925-1930
- 551 stránek
- 20 hodin čtení
Virginia Woolf schreibt die Romane am Morgen, das Tagebuch am späten Nachmittag, nach dem Tee. In diesen Aufzeichnungen ist sie besonders offen und direkt: hier finden sich die literarische Welt von Bloomsbury und die Einsamkeit, die glückliche Ehe mit Léonard und die neue Freundschaft mit Vita Sackville-West. Alles ist mit außergewöhnlicher Klarheit festgehalten, alles ist geprägt von der Suche nach einer malerischen und lyrischen Schrift. Für Woolf löst das Schreiben des Tagebuchs "die Bindungen", es hilft, "sich der Worte zu bemächtigen". Daher hat das Tagebuch von 1925 bis 1930 eine außergewöhnliche Bedeutung, da es den Höhepunkt ihrer literarischen Tätigkeit darstellt: es sind die Jahre der produktivsten Zweifel an der neuen Schrift, die sie entwickelt, es sind die Jahre, in denen die Erfolge von "Mrs. Dalloway", "Zum Leuchtturm" und "Orlando" aufeinanderfolgen.