Hermann Lenz Knihy






Der Wanderer
- 285 stránek
- 10 hodin čtení
Der Wanderer: Das ist der wenig erfolgreiche, aber unbeirrbare Schriftsteller Eugen Rapp. Die Freiheit zu schreiben, die er sich nach Frontjahren und Kriegsgefangenschaft, in einer Zeit, da alle Welt mit dem Überleben beschäftigt war, zuerkannte, macht er noch immer geltend. Und mehr noch: die Freiheit, unzeitgemäß zu schreiben. Seine Lebensformen sind das Schreiben und Wandern. Drei Wanderungen schildert Hermann Lenz. Es sind drei Strophen einer wunderbaren Melodie. Eines Hohenliedes des Waldes, das hoffentlich nicht bald schon zum Nachruf wird. Der Wanderer ist der selbständige sechste Teil der autobiographischen Romanfolge Verlassene Zimmer, Andere Tage, Neue Zeit, Tagebuch vom Überleben und Leben und Ein Fremdling.
»Durchs Gedichteschreiben möchte ich dem näher kommen, was mich umgibt«, schrieb Hermann Lenz. »Dem Gras zum Beispiel und den Bergen, die mich überleben werden. Ich erinnere mich, vertiefe mich in das, was ich gesehen und erfahren habe. So komme ich mir näher.« Im Unterschied zu dem Erzähler wartet der Lyriker Lenz noch immer auf Entdeckung. Mit einer Auswahl aus den Gedichten regt Michael Krüger dazu an. »Wenn man die großen Anthologien durchsieht, … wird man nur selten auf lyrische Texte von Hermann Lenz stoßen« bemerkt er in seinem Nachwort. »Gibt es gute (oder schlechte Gründe) dafür, daß dieser eigenwillige, weltlich-fromme Dichter durch alle Siebe gefallen ist?« Das Nachwort gibt Antwort. Überzeugend und gewinnend beschreibt es die allmähliche Entwicklung eines solitären lyrischen Werks.
Suhrkamp Taschenbuch - 2678: Ein Lesebuch
Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Erhard Eppler
- 325 stránek
- 12 hodin čtení
Hermann Lenz' Werk, charakterisiert durch das Wort »nebendraußen«, vereint Distanz und Einfühlung. Seine Erzählweise umfasst verschiedene Zeitdimensionen und strebt nach dem Immateriellen. Die von Erhard Eppler ausgewählten Texte zeigen die Vielfalt seines Schaffens und laden ein, Lenz' literarischen Kosmos zu entdecken.
Mit diesem Werk setzt Hermann Lenz seine schwäbische Familienbiographie fort. Der Schriftsteller Eugen Rapp kehrt aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft in das zerrissene Deutschland der Jahre 1946-1948 zurück. Im Elternhaus wohnt er auf engstem Raum mit seiner Familie und seiner jüdischen Frau zusammen. Das junge Paar haust in einer winzigen, ungeheizten Dachstube. Rapp beginnt dort zu schreiben. Rapp fühlt sich in der Gegenwart fremd, durch die Geschichte entwurzelt. In kleinbürgerlicher Umgebung, bedrängt von familiären Schwierigkeiten, in einer Zeit, die materielle Entsagung bedeutet, verteidigt er erfolgreich den Egoismus des Literaten und zieht sich völlig auf sein Inneres zurück, auf sein Schreiben, das sein eigentliches Leben wird.
Seltsamer Abschied
Roman
Im ersten Buch sind es die Großeltern mütterlicherseits, die Eltern, die mittelständischen Kleinstädter und der noch kindliche Autor, die Vorkriegsjahre, Ersten Weltkrieg und Anfang der Weimarer Republik bestehen. Der Gesichtskreis ist beschränkt, die Wertvorstellungen sind bürgerlich, die Gesinnung bleibt vaterländisch. Doch das Bewußtsein, in einer Endzeit zu leben, führt den Großvater Julius Krumm, ehemaligen Büchsenmacher und nunmehrigen Wirt, der sich in Bart und Hut seinem württembergischen König angleicht, dazu, über die eigene Existenz zu reflektieren. Abhold der Lebenslüge begnügt er sich mit dem, was er ist, doch wünscht er den ihm versagten Glanz der Auszeichnungen, den Bildung, Stand und Lebensart geben, seiner pianistisch begabten Tochter.
Herbstlicht knüpft unmittelbar dort an, wo der Leser des Seltsamen Abschieds sich von Eugen Rapp trennen mußte: in dem Moment, in dem er von dem heimatlichen Stuttgart nach München umzieht. Ein Neuanfang, obwohl ihm München nicht unbekannt ist. Dieser Aspekt des Vertrauten im Neuen und des Neuen im Vertrauten bezeichnet die Erfahrung des nunmehr 65jährigen Schriftstellers. Mit der souverän durchdringenden Kraft seines Erzählens entfaltet er ein Panorama der Sitten und Gebräuche des literarischen Deutschland der achtziger Jahre – und dies gelingt ihm, weil er über die Gabe verfügt, sowohl der Involvierte zu sein als auch der Außenstehende, der Sittenschilderer und der Naturmaler, wobei beides sich durchdringt und sich gegenseitig verstärkt. Durch diese Verschränkung erhält die Ethnographie des Hermann Lenz eine besondere Tönung: Sie ist eingetaucht ins Herbstlicht, jenes Licht, das den Ereignissen und Gegenständen ihre Schärfe nimmt und sie in die Milde der Ironie taucht. Herbstlicht ist der achte Band der autobiographischen Romanfolge »Vergangene Gegenwart«: Verlassene Zimmer, Andere Tage, Neue Zeit, Tagebuch vom Überleben und Leben, Der Fremdling, Der Wanderer, Seltsamer Abschied, Herbstlicht und Freunde.
Jung und alt. Erzählung
- 157 stránek
- 6 hodin čtení
In Hermann Lenz' Erzählung betont der Maler Robert Roß, über 60 Jahre alt, die Bedeutung der "Zwischenräume". Diese verleihen seinen Bildern Form und heben die Beziehungen zu anderen Menschen, insbesondere zu verschiedenen Generationen, hervor.
Andere Tage
Roman
In Andere Tage beobachtet die robustere, aber einfühlsame jüngere Schwester Eugen Rapps, des alter ego von Hermann Lenz, die Personen ihres bürgerlichen Lebenskreises und erfährt, wie durch die politischen Entwicklungen der ausgehenden Weimarer Zeit und die nationalsozialistische Machtübernahme die Einheit der Familie belastet wird. Diese Wahl der Perspektive – Kunstgriff des Autors, der seine eigene Sensibilität gleichsam erstaunt wahrnimmt und umso nachdrücklicher schildert – macht deutlich, wie aus der vom energischen Vater besorgt bemerkten Neigung des Sohns, am Leben nicht teilzunehmen, sondern zu schauen und zuzuschauen, eine moralisch-ästhetische Notwendigkeit entsteht. Der erfolglose Tübinger, Münchner und Heidelberger Theologie- und Kunststudent begibt sich auf die Suche nach dem ihm gemäßen Bezirk; die Dichtung hat er als die ihm gemäße Form der Evasion und der Bewahrung erkannt, aber er wagt noch nicht, sich zu ihr zu bekennen.
Der innere Bezirk
Roman in drei Büchern
Im Zeitraum von zwanzig Jahren hat Hermann Lenz diese Trilogie geschrieben. Ein Schlüsselwort, eine Lenzsche Bezeichnung der würdigen, individuellen menschlichen Befindlichkeit schlechthin: Der innere Bezirk steht als Titel über diesem Werk, wie um darzutun, daß es zentrale Bedeutung hat. Die drei Bücher des Romans sind einer Vater-Tochter-Beziehung gewidmet. Subtile Psychogramme, zeigen sie, wie weit menschliche Nähe gehen kann, wo sie, ungeachtet aller Zuneigung und Fürsorge, enden muß: vor den Grenzen des inneren Bezirks.
Hermann Lenz wurde am 26. Februar 1913 in Stuttgart geboren und starb am 12. Mai 1998 in München. Nach dem Abitur im Jahr 1931 studierte Lenz Theologie in Tübingen und anschließend von 1933 bis 1940 Kunstgeschichte, Archäologie und Germanistik in Heidelberg und München. Von 1940 bis 1946 war er als Soldat in Frankreich und Russland stationiert und kurze Zeit in amerikanischer Kriegsgefangenschaft. Seine schriftstellerische Arbeit begann Lenz 1946 in Stuttgart. Im selben Jahr heiratete er die Kunsthistorikerin Hanne Trautwein. Zu seinen Hauptwerken gehören die Romane Andere Tage und Neue Zeit um sein Alter Ego Eugen Rapp. Von 1951 bis 1971 war Lenz Sekretär des Süddeutschen Schriftstellerverbandes.1972 begegnete er zum erste Mal Peter Handke. Ab 1975 lebte Lenz in München. Er erhielt zahlreiche Preise für seine Werke.
Die Begegnung
Roman
Hermann Lenz, 1978 mit dem Büchner-Preis ausgezeichnet, entführt in einen Roman, der im Württembergischen und in der k. u. k. Monarchie nach dem „System Metternich“ spielt. Der Ich-Erzähler, ein innerlicher Hauslehrer in einem Schloss, ahnt, dass der gräfliche Schlossherr sein Vater und sein Zögling Constantin, der legitime Grafensohn, sein Halbbruder ist. Der Graf, in Gedanken an die verstorbene Mutter des Erzählers, möchte, dass der junge Mann sein Leben selbst bestimmt. Er fordert von ihm, sich um die junge Pfarrfrau Luise in Aalen zu kümmern, ein unbändiges Wesen, das aufrührerische Traktate verfasst und die konventionellen Vorstellungen von Liebe und Ehe in Frage stellt. Als der Hauslehrer Luise begegnet, wird sie von einer leidenschaftlichen Liebe erfasst, die ihr ganzes Leben prägt. Der „Mentor“ gibt dieser Liebe nach, flieht jedoch in eine Ehe mit einer jungen Küferstochter. Immer wieder trifft er Luise, die sich in verschiedenen Lebenslagen wiederfindet, bis sie schließlich als Prostituierte endet. Gemeinsam unternehmen sie eine Reise durch Böhmen und Württemberg, in der sie versuchen, die Vergangenheit mit der Gegenwart zu versöhnen. Es stellt sich die Frage: Begegnung oder Flucht vor sich selbst? Karl Krolow bezeichnet Lenz als den „Romancier der Zärtlichkeit des Augenblicks“.
Zeitlebens. Gedichte 1934-1980
- 167 stránek
- 6 hodin čtení
Hermann Lenz: "Zeitlebens". Gedichte 1934-1980. Franz Schneekluth Verlag, München 1981. 168 S., geb., 28,- DM
Durch den Krieg kommen
- 85 stránek
- 3 hodiny čtení
Erinnerung an Eduard.
- 198 stránek
- 7 hodin čtení
Der Roman Die Begegnung erschien 1979. Das Werk von Hermann Lenz wurde 1978 mit dem Büchner-Preis ausgezeichnet. Wasik kehrt aus dem Ersten Weltkrieg zurück und ist wie zuvor Diener auf Schloß Schoeneben, als wäre alles beim alten geblieben. Unzufriedene und Gescheiterte beginnen mit ihrem Zerstörungswerk, das später, als Wasik fünfzig Jahre alt ist, triumphiert. Jetzt verliert er seine Stellung. Die Frau seines Herrn hilft ihm, denn diese Frau und ihr Sohn, den Wasik seit seiner Geburt kennt, sowie ein adliger Gutsbesitzer, stehen auf seiner Seite und gehören zu den ihm Gleichgesinnten. Trotzdem weiß er, der unverwundbar zu sein scheint, daß er sich letztlich nur auf sich selbst verlassen kann und daß sein eigener Bezirk - er heiratet spät - ein Zentrum ist, dessen Strahlungskraft ihn stärkt. Das Wissen, dem Zusammenhang der Natur verbunden zu sein, gehört zu seinem Leben und macht es ihm möglich, auf andere einzuwirken. Was weit zurückliegt, löst sich im Licht auf, während das Naheliegende klar erkennbar bleibt: diese selbstverständliche Erfahrung bestimmt die Form dieses Romans, in dem sich die Veränderungen der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts wie in geologischen Schichten ablagern.
»Dieses Abschmecken der Vergangenheit ist ganz nach meinem Sinn. Ich hoffe, von meinen Expeditionen ins Anno dazumal eine Beute einzubringen, die die Leser schmunzelnd verzehren«, schrieb Hermann Lenz über seine Arbeit für die Zeitschrift ›Stuttgarter Leben‹, in der er zwischen 1963 und 1975 zahlreiche Beiträge veröffentlichte – zu einer Zeit, als sein Name lediglich einigen Kennern bekannt war. Für sie schrieb er auch im ›Stuttgarter Leben‹: über seine Geburtsstadt, die als Schauplatz die Hauptrolle in seinem Werk spielt. Eingebettet darin stehen diese Aufsätze, die erstmals 1984 in einer Sammlung erschienen, als selbständige Arbeiten, die aber hineinleuchten in das Ganze, sie erhellen, illustrieren und zeichnen detailreich den Hintergrund, vor dem sich das Gesamtwerk entfaltet. Doch nicht nur das Werk von Hermann Lenz erscheint so manchmal in einem anderen Licht, auch die Stadt selbst, denn auf seinen Wegen durch Straßen und Gassen, vorbei an Brunnen, Plätzen und berühmten Bauwerken läßt Hermann Lenz die Vergangenheit hinter den neuverputzten Fassaden sichtbar werden. Denn nur im Blick auf das Damalige sah Hermann Lenz die Möglichkeit, die Gegenwart angemessen zu erfassen.
Dame und Scharfrichter
- 133 stránek
- 5 hodin čtení
Die Handlung dieser von Melancholie und Trauer überschatteten Erzählung spielt zu Beginn dieses Jahrhunderts in Wien. Gezeigt wird die Einsamkeit des letzten Habsburgers und mit ihr der innere Stillstand, der in den Jahren vor Kriegsausbruch das Unheil von Sarajevo heraufbeschwor. Während der Kaiser sich vorkommt wie einer, der »schon nicht mehr dazugehört«, sucht Gräfin Leonie von Seilern, eine Dame der Wiener Gesellschaft, die Bekanntschaft des Henkers, um den Strick zu bekommen, mit dem ein Attentäter, dessen Todesurteil der Kaiser unterschrieben hat, gehenkt wurde. Der Scharfrichter willigt belustigt ein, er glaubt, der Strick solle als Liebeszauber dienen, doch die Dame verführt ihn, ihr eine Schlinge um den Hals zu legen.
Schwarze Kutschen prägen im Wien nach der Jahrhundertwende das Stadtbild. Täglich sieht August Smekal diese Gefährte an dem Mietshaus vorbeifahren, in dem er als Hausmeister mit seiner Frau und Enkelin lebt. Seine Tochter Anna tritt als Sängerin in einem Hotel auf und hat ihre Tochter Marie in die Obhut ihrer Eltern gegeben. Sie kämpft gegen gesellschaftliche Konventionen und für ihre eigene Freiheit. Als sie Major Rothmund kennenlernt, gerät sie in eine brüchige Welt zwischen geflohenen russischen Anarchisten, der geordneten Habsburg-Monarchie und undurchsichtiger Spionage. Der Major überredet Anna Smekal zu einer Gesangstournee durch Russland, auf der sie Kontakte zu Revolutionären aufnehmen soll. Während ihrer Tournee begegnet ihr ein ganzes Kaleidoskop der den Umsturz vorbereitenden Kräfte und sie muss die Erfahrung machen, dass es schwarze Kutschen nicht nur in Wien gibt – ein Symbol für düstere Entwicklungen. Schwarze Kutschen erzählt von einer Epoche des Umbruchs und richtet damit den Blick nicht nur auf die ihrem Ende entgegengehende k.u.k. Monarchie, sondern auch – in eindringlichen, distanzierend-einfühlsamen Sätzen – auf den Ursprung unserer »modernen Zeiten«.
Dieses zweite, 1949 erstmals erschienene Buch des Autors – dessen Entstehungsgeschichte sein neuer Roman Tagebuch vom Überleben und Leben (Insel Verlag) erzählt – handelt in drei Versionen vom schuldhaften Versagen im Dritten Reich. Schauplatz ist Wien, in der mittleren Geschichte das noch unzerstörte, aber durch den »Anschluß« korrumpierte, symbolisiert durch die Figur eines jungen Mädchens, das fahrlässige Schuld durch Freitod sühnt. Die beiden Eckerzählungen führen Überlebende auf der Suche nach Verschollenen in das Nachkriegs-Wien, ein phantasmagorisches Totenreich, in dem die Verstorbenen als Führer, Prüfer, Richter die Suchenden in die eigene schuldhafte Vergangenheit geleiten. Vor allem die zweite Erzählung dieses Triptychons veranlaßte Thomas Mann zu der Äußerung: »Das ist ein originelles, träumerisch-kühnes und merkwürdiges Talent. Ganz selbständig neben Kafka, an den die Geschichten in ihrer genauen Un- und Überwirklichkeit noch am meisten erinnern.«
Drommersheim, die Stadt, in der die Menschen dieses Buches sich bewegen, ist ein seltsamer Ort. Unzufriedenheit und der Wunsch, einen Umsturz herbeizuführen, gefährden das Leben in zunehmendem Maß. Niemand weiß mehr, wonach er sich richten soll. Die alten Ordnungen sind in Auflösung begriffen, die Ideologie »Babylons« drängt herauf, untergräbt die »vierte Wirklichkeitsdimension«, zerstört jede Bindung, vergiftet das Zusammenleben. Noch regiert der Statthalter, für den die Gebote der Menschenliebe oberstes Gesetz sind. Aber er hat sich allen entzogen, und nur wenige wissen, wohin er gehört und was es mit Drommersheim auf sich hat …
Erinnerungen an Eduard erzählt die Geschichte einer Freundschaft zwischen dem Ich-Erzähler Otto Nestle und seinem Jugendfreund Eduard, der später als Eduard Mörike erkennbar wird. Otto leidet darunter, nicht zu Eduards engsten Vertrauten zu zählen und wird zum stillen Beobachter Eduards. Dieser, ein nachdenklicher junger Mann, studiert Theologie, fühlt sich jedoch nicht wirklich dazu hingezogen. Bei einem Besuch in seiner Heimatstadt Ludwigsburg lernt er das schöne Schankmädchen Maria Meyer kennen, eine Begegnung, die sein Leben verändert. Ottos und Eduards Wege trennen sich. Während der Erzähler eine Stelle als Hauslehrer in einer gräflichen Familie annimmt und ein Leben in Entsagung führt, bleibt Eduard in seiner Welt der Gedichte und Träume gefangen. Er lebt als Pfarrer, angepasst, hypochondrisch, umsorgt von Mutter und jüngster Schwester, erfolgreich nur in seiner Literatur. Hermann Lenz beleuchtet die Themen der Vergänglichkeit von Beziehungen, der Suche nach Selbstfindung und der Bedeutung von Erinnerungen und fängt mit einfühlsamer Sprache die inneren Konflikte und emotionalen Abgründe seiner Charaktere ein.
Hermann Lenz und der Protagonist seiner Erzählung Der Letzte, ein Graf namens Rudolf, haben sowohl typische Charakterzüge wie das Geburtsjahr 1913 gemeinsam. Als letzter Nachkomme seiner Eltern – Widerständlern, die vom Volksgerichtshof hingerichtet wurden – erinnert sich Rudolf, für den sich »die Vergangenheit jung anfühlt«, im Jahre 1970 an die Zeit nach dem Krieg, als sein Schloß von Flüchtlingen und Gestrandeten belegt war, und spannt von hier einen Bogen in die Gegenwart. Obwohl er beschlossen hat: »Ich will nichts mehr tun. Ich will nur zuschauen«, und sich auch an diesen Entschluß hält, gelingt es ihm, dank eines tüchtigen Verwalters, den ererbten Besitz zu einem landwirtschaftlichen »Großbetrieb« aufzubauen. In die Wiederbegegnung mit der eigenen Vergangenheit fällt Rudolfs Wiederbegegnung mit Olga, der einst ungestümen, lebenshungrigen Tochter des Dorfarztes, die verschreckt, vereinsamt und enttäuscht nach einer gescheiterten Ehe in ihren Heimatort zurückgekehrt ist. Rudolf erkennt in ihreine »innerlich Verwandte«.
Fünf Erzählungen von Hermann Lenz aus den Jahren 1952 bis 1962 sind hier versammelt. »Hotel Memoria«, »Die Marmorbüste im Sumpf«, »Der Käfer«, »Frau im Dornbusch« und »Erinnerung an Europa«; dies sind Titel der Erzählungen, die auf uralte Mythen und moderne Zeiten verweisen. Um vertraute Melodien und Erinnerungen an verlorene Liebe geht es hier, um Fieberträume im Antlitz des Todes dort, um Schuld und Martyrium, für die es keine Erlösung zu geben scheint; kurzum: Auch hier ist von Vergangenheit und Gegenwart, von Grenzerfahrungen und Illusionen die Rede. Sind es Sinnestäuschungen oder Wachträume, wenn silberne Fische sich vor unseren Augen in Nichts auflösen? Wenn eine mühelos gebrochene Rose sich in einen Knochen verwandelt? Und welches Geheimnis verbirgt die Frau in schillerndem befleckten Gewand? Was hindert die Frau, die »in unserer Zeit« lebt, »in einer Zeit, da alle Menschen verhängt waren, schwarz verhängt«, sich aus dem Dornbusch zu befreien? Bedrängend realistisch und gleichsam parabelhaft sind die bizarren Bilder, die an vertraute Gemälde und Motive erinnern, in denen Zeit und Raum verschmelzen. Mit »magischem Realismus« führt uns Hermann Lenz auf die Suche nach der Erinnerung, nach der Überwindung von Desillusionierung, nach Hoffnung und Vernunft.
Versöhnung – ihr Symbol: der Regenbogen – ist das Ziel dieses frühesten Romans von Hermann Lenz. Was ihr vorausgeht: die letzten Kriegsmonate, der Rückzug der deutschen Armee, die Bombardierungen der deutschen Städte, scheint sie zunächst nicht bewirken zu können, nicht jedenfalls bei all denen, die zu den displaced persons gehören, den Kriegsgefangenen, Zwangsarbeitern, aus den KZ’s befreiten Juden. Die junge Russin Tamara, das Ich des Romans, ist eine solche Person. Als Zwangsarbeiterin wird sie 1944 nach Ostpreußen geschafft, von dort flieht sie, gelangt aber nur in das Fremdarbeiterinnenlager einer süddeutschen Stadt. Ihr moralischer Halt sind ihr Haß und das Gift, das sie in der Jacke versteckt hat und das sie vor dem Unerträglichen bewahren soll. Doch Tamara Lasowskaja, einstige Medizinstudentin, jung, schön, erträgt viel, läßt sich durch nichts entmutigen, zu nichts verführen. Als die Amerikaner sie und ihre Leidensgenossinnen befreien, kann ihr die Jubelstimmung der anderen, deren unrealistisches Heimatgefühl für das ihnen nun gleichsam gehörende Deutschland wenig anhaben. Doch sie lernt zu verzeihen. Sie gibt ein Fest, das Opfer und ehemalige Feinde vereint, und kehrt illusionslos in ihr Land zurück.
Der Tintenfisch in der Garage
Erzählung
Der eigenartige Titel geht auf ein spanisches Sprichwort zurück, das einen Menschen bezeichnet, der in einer ihm nicht gemäßen Umwelt leben muß. Der Student der Germanistik Ludwig ist einundzwanzig Jahre alt und stammt aus geordneten bürgerlichen Verhältnissen. Angesichts dessen, was er in den beginnenden siebziger Jahren an der Universität und in der modernisierten Stadt vorfindet, beginnt er an seiner Befähigung zum Lehramt zu zweifeln. Er gerät in einen resignativen Privatismus. Das Alleinsein in der Umwelt ohne Artefakte, der Landschaft, die Wanderungen durch das historische, das museale Regensburg werden ihm zum Refugium. Als ihm das Schicksal den Menschen zuspielt, »mit dem er sich versteht«, ist es eine junge Kriminelle. Auch sie - wenngleich aus anderen Gründen – also ein »Tintenfisch in der Garage«. Doch während sie in Ludwig den Vertreter einer heilen Welt sieht und ihre Lebensverhältnisse mir seiner Hilfe ändern möchte, will er die Partnerin lieber nicht wirklich kennen. Lenz' Erzählung, die sich streckenweise wie eine Kampfansage gegen das »Heilige Jung- und Radikalsein« liest, ist in Wirklichkeit die schärfste Selbstbefragung dieses Autors und unmißverständliche Antwort.
Der Kutscher und der Wappenmaler - bk672; Suhrkamp Verlag; Hermann Lenz; pocket_book; 1983
Freunde
- 222 stránek
- 8 hodin čtení
In Freunde erzählt Herrmann Lenz, welcher Freundeskreis sich um Eugen Rapp im München der neunziger Jahre versammelt hat. Mit seinen Freunden unternimmt er Reisen, mit ihnen führt er Gespräche über Leben, Überleben und Schreiben. Von ihnen erhält er Nachrichten über die nahe und die weite Welt. Kurz: Durch diese Freunde hält der Einzelgänger Eugen Rapp den für seine schriftstellerische Arbeit notwendigen Kontakt zu der von ihm, der »nebendraußen« steht, mit Skepsis beobachteten Gegenwart. Diese Gleichzeitigkeit von Nähe und Ferne, die auch dem Schriftsteller Herrmann Lenz auszeichnet, macht Freunde zu einem aufrichtigen und detailgetreuen Panorama von Zeitgenossen. Freunde ist der neunte und letzte Band der autobiographischen Romanfolge »Vergangene Gegenwart«: Verlassene Zimmer, Andere Tage, Neue Zeit, Tagebuch vom Überleben und Leben, Der Fremdling, Der Wanderer, Seltsamer Abschied, Herbstlicht und Freunde . Herrmann Lenz wurde am 26. Februar 1913 in Stuttgart geboren. Er starb am 12. Mai 1998 in München. Sein Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u. a. 1978 mit dem Georg-Büchner-Preis.
Stuttgart
- 440 stránek
- 16 hodin čtení
Zwei Frauen
- 199 stránek
- 7 hodin čtení
»Herbstlicht« knüpft unmittelbar dort an, wo der Leser des »Seltsamen Abschieds« sich von Eugen Rapp trennen mußte: in dem Moment, in dem er von dem heimatlichen Stuttgart nach München umzieht. Der Umzug bedeutet einen Neuanfang und die Rückkehr in Vertrautes.
Hermann Lenz, Bilder aus meinem Album
- 174 stránek
- 7 hodin čtení
Ich verwandle mein Leben in Sinn
- 179 stránek
- 7 hodin čtení


























