Friedrich Hahn wird als einer der originellsten österreichischen Schriftsteller gefeiert. In „LEERGUT“ kommentiert er scharfsinnig aktuelle Ereignisse und das Leben prominenter Personen. Sein Werk hinterfragt gesellschaftliche Themen und die Sinnhaftigkeit von Kunst, während „Dichterleben“ als freches Pendant fungiert. Spannende Poetikvorlesungen!
Herbert Nordberg trifft auf seinen Doppelgänger Willi Plischke, und nach einem Passwechsel stirbt Willi. Herbert übernimmt Willis Leben, während nur er weiß, dass Willi im Sarg liegt. Plötzlich erscheint Ben, Herberts Sohn aus seinem alten Leben.
„Das spezifisch Welthaltige zeigt sich in dessen Verallgemeinerung. Das ist nicht nur spannend, das ist große Kunst.“ Helmuth Schönauer Gustave Flaubert wollte immer einen Roman ohne jegliches Sujet schreiben. Und die Schweizer Schriftstellerin Adelheid Duvanel sah es als Ideal an, Geschichten zu schreiben, die ohne Haupt- oder Nebenfiguren auskommen würden. Friedrich Hahn hat sich an diese „Experimente“ gewagt: Kein Sujet, keine Haupt- oder Nebenfiguren. Das Ergebnis: Ein Roman, der nichts meint, aber auch fast nichts auslässt. Es geht um nichts. Also um alles. Die Sprache muss keiner Story, keiner Figur gerecht werden, sondern genügt sich selbst. Die dichte Prosa erinnert über weite Strecken an Lyrik. Hahn hat sie noch einmal verknappt. In 36 prallen Essenzen sind sie, im Anhang zum Roman, nachzulesen.
Steine Nr. 551 – 634, 636, 640, 643, 647, 649, 650, 650 A auf dem israelitischen Friedhof in Dessau
Viele Menschen sind auf der Suche nach noch unentdeckter oder entdeckter, aber unerschlossener Kultur. Sie reisen in der Regel in andere Länder, um das Erwünschte zu finden. Allerdings entpuppen sich dann die Reiseziele als bereits entdeckte und für Touristen längst erschlossene Kulturstätten; letztendlich auch durch entsprechende Literatur bekannt und gar nicht noch neu zu entdecken. Hier auf dem israelitischen Friedhof in Dessau, an der Straße Am Leipziger Tor, bietet sich eine Welt sichtbar entdeckter Grabmale. Aber nur wenige wissen, was darauf steht und an wen sie erinnern sollen. Wer macht sich schon die Mühe, die hebräische Schrift und Sprache zu erlernen und danach die Inschriften zu entziffern? Und wer steht bereit, die Inschriften zu erklären? Ich habe den Titel 'hagalim l’ nachama - Steinmale, die trösten' gewählt, weil der Inhalt vieler Inschriften den Hinterbliebenen, und nicht nur denen, Trost spenden soll. Schon die Bezeichnung für einen Friedhof: “Haus der Ewigkeit” ist eine Glaubensaussage.
„Ich bin mit meinem Text am Ende. Der Satz klingt nach schlussendeaus. Nun. Da steht er. Ein Satz wie er lapidarer nicht sein könnte. Ich lese ihn immer und immer wieder. Und dabei mach ich mein Schriftstellergesicht. An dem muss ich auch noch arbeiten. Aber wie macht man ein Exschriftstellergesicht?“ In 40 Jahren hat Hahn nun 40 Bücher und an die 20 Arbeiten für Hörfunk und Bühne veröffentlicht. Im November 2017 dann der Beinbruch. Zeit der Reflexion. Hahn hält inne, zieht Bilanz. Es ist eine Zeit der kalendarischen Vermerke, handwerklichen Überlegungen und poetischen Entwürfe. Und er kommt zu einem Entschluss: Er will sich vom Literaturbetrieb zurückziehen. Und das Schreiben? Nein, das Schreiben kann und will er nicht aufgeben. Aber gibt es ein Schriftstellerleben ohne Literaturbetrieb? Täuscht er uns? Täuscht er sich selbst? Hahn gelingt ein beeindruckendes, weil authentisches Lebens- und Berufsbild von einem, der sich der Literatur verschrieben hat. Was passiert, wenn sich die Literatur in das Leben drängt? Oder umgekehrt: das Leben in das Schreiben? Was ist, was wäre das Gemeinsame? Leben und Literatur suchen das Miteinander in Gegensätzen: Demut – Unmut. Größenwahn – Minderwertigkeitskomplex. Nähe – Ferne. Als eines seiner Vorbilder nennt Friedrich Hahn Bazon Brock, den Künstler ohne Werk, den Generalist mit dem speziellen Drall ins Nebenhinaus. Da, wo es noch das Staunen gibt.
Da war dieser Holzkoffer. Voll mit Zetteln, Blöcken, voll mit Notizen, handschriftlichen Texten. Konrad Schramm hatte sie längst vergessen. Erst als er nach über 30 Jahren wieder mit seiner Ex zusammenkommt, stößt er in der Abstellkammer auf diesen Holzkoffer. Konrad Schramm verlebte seine ersten Jahre im Haus Wassergasse 10 im dritten Wiener Gemeindebezirk. Der Hof war sein Spielplatz, sein Kinderzimmer, seine Welt. Eines Tages wird er mit dem komischen Kauz, der dort haust und den alle Melichar nennen, bekannt. Langsam nähern sich Melichar und Konrad an. Und fast hätte man das, was mit den Jahren daraus entstand, Freundschaft nennen können. Als Konrad mit 19 aus der elterlichen Wohnung auszieht, überreicht Melichar ihm den Holzkoffer. Als Abschiedsgeschenk. Als Vermächtnis. Der Holzkoffer interessierte Konrad Schramm damals nicht wirklich. Er hatte andere Prioritäten. Das Mädchen Margot, die Liebe, die eigene Wohnung, seine Ausbildung zum Polizisten. Die Liebe, die Ehe mit Margot, hielt nur zehn Jahre. Nun – Konrad Schramm ist inzwischen 65 – laufen sie sich erneut über den Weg. Ziehen wieder zusammen. Und so stößt Konrad Schramm wieder auf den Holzkoffer. Und er taucht ein in seine Kindheit, erinnert seine Begegnung mit Melichar, diesem Schriftsteller ohne Werk.
Sonja ist ein spätes Kind. Und das, was man ein stilles Kind nennt. Meist sieht Sonja aus, als sei sie gerade mit Nachdenken beschäftigt. Ihre Mutter, Erna, war 35 bei Sonjas Geburt. Über das Leben ihrer Mutter, bevor sie zur Welt kam, weiß Sonja nichts. Erna macht daraus ein Geheimnis.
Erna will, dass Sonja Tennis spielt. Jonas, ein Schul- und Sportkamerad, der auch im gleichen Tennisverein ist, wird Sonjas „beste Freundin“. Der neue Trainer ist über Sonjas Ähnlichkeit mit einem Mädchen, das er vor etlichen Jahren trainierte, verblüfft. Sonja recherchiert. Da war ein Mädchen, die Tochter aus Ernas erster Ehe, ein anderer Mann, eine Scheidung. Das Mädchen mit Namen Lena war ein hoffnungsvolles Tennistalent gewesen, -zigfache Jugendmeisterin. Und am Sprung auf ein amerikanisches College. Sonja ist verstört. Diese Ähnlichkeit mit ihrer Halbschwester. Die Frisur. Die Klamotten. Sonja erfährt: Lena ist mit 16 ums Leben gekommen. Sie lief in einen Lastwagen.
Sonja erkennt: Ihre Mutter wollte aus ihr eine zweite Lena machen. Erna hat Sonja voll und ganz auf Lena getrimmt.
Sonja weiß, sie braucht ein neues Leben.
Ein zweites.
Ihr eigenes.
Erich Fröschl hat’s hinter sich. Mit 58 schickte ihn die Bank in Pension. Seine Tochter Tamara (22), die bei ihrer Mutter lebt, sieht er nur an Geburtstagen und zu Weihnachten. Die Trennung von M., der Kindesmutter, liegt schon 15 Jahre zurück. Seitdem lebt Erich das Leben eines unfreiwilligen Singles. Doch er hat die Hoffnung nicht aufgegeben. Er will M., die Liebe seines Lebens, zurückerobern. Erich erstellt einen facebook-Account. Tamara, die natürlich schon längst dabei ist, überredet M., sich ebenfalls auf facebook zu registrieren. Seine Nachrichten und facebook-Erfahrungen versammelt Erich in einem Word-Dokument, das er als „Komme, was wolle“ betitelt. Ermutigt von einem Ex-Kollegen und Neo-Schriftsteller nimmt er an einem Schreibworkshop teil. So schauen wir Erich Fröschl, dem Schriftsteller wider Willen, beim Verfassen und Veröffentlichen seines ersten Romans über die Schulter. „Komme, was wolle“ ist ein Roman über die Liebe und einen Erfolg, der im Scheitern liegt. Und zugleich ein „Ratgeber“, der mit etlichen praktischen Tipps und Übungsvorschlägen für alle HobbyautorInnen aufwartet. Liebe, Schreiben und das Miteinander in Zeiten sozialer Medien: Intelligent verwoben in einer spannenden und höchst unterhaltsamen Lektüre.
Fast ein Märchen. Für Erwachsene ab 12 und Kinder bis 99
48 stránek
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Diese Geschichte handelt von Lasse. Er hat eine kleine Tischlerwerkstatt, einen Hund namens Frühling, ein blau gestrichenes Fahrrad – und jede Menge Ängste. Kurz: Er ist ein Schisser. Und damit auch in Sachen Liebe ein ausgemachter Trottel. Beim Abnehmen von Vorhängen beginnt er, um seine Höhenangst zu überspielen, einen eigenartigen Singsang, den seine Vermieterin mitbekommt. Lasses Karriere als Musikstar beginnt. Er gewinnt einen Song-Contest, seine Vermieterin managt ihn. Und wird seine Lebensgefährtin. Monatelang tingelt Lasse – gefeiert als Mr. Ledderman – durch die Konzerthallen dieser Welt. Als er nach längerer Zeit wieder in seine Werkstatt kommt, entdeckt er die kleine Welt, seine kleine Tischlerwelt, von Neuem. Und macht eine ultimative Entdeckung: „Wirklich wichtig werden die Dinge, wenn sie einem fehlen.“
Eine Frau in der Großstadt, allein … Die Auslagen, die Hannah dekoriert, finden große Beachtung, doch sie selbst ist unschein-bar, scheinbar unsichtbar. Sie muss sich dann schon einmal einen Detektiv engagieren, damit jemand ein Auge auf sie wirft … Gewiss, da passiert in ihrem Umfeld ein Mord, und der Tote liegt in einer „ihrer“ Auslagen; sie hat eine Beziehung und einen Ex-Ehemann, sie fährt zur Kur und trifft ihre Freundinnen –, dennoch läuft irgendwie alles an ihr vorbei, vor allem ihr Leben. Aber fehlt ihr dadurch etwas? Irgendwo zwischen Krimi und Liebesroman zeichnet Friedrich Hahn einen Typus Frau, der seltsam anmutet und doch so vertraut ist aus dem Alltag: Sie ist tough, sophisticated und auf ihre Art höchst sensibel. Mit skurrilem Witz und scharfem Blick entfaltet der Autor ein Panorama des gegenwärtigen Großstadtlebens. Spannend und unterhaltsam, klug und topaktuell. „Hahn ist einer der originellsten Schriftsteller Österreichs.“ Peter Pisa, KURIER
Monika und Mike diskutieren über Schicksal und Zufall, während Mike sich an Torsten erinnert, dessen Worte er unbewusst übernimmt. Mike Strötter, ein kämpfender Texter, wird von Torsten Brändle kontaktiert, der einen Ghostwriter sucht, um sein Leben in Romanform zu bringen. Zunächst lehnt Mike ab, entscheidet sich dann aber doch, die Herausforderung anzunehmen. Während er Torstens Biografie verfasst, wird er von dessen Fragen und Erinnerungen eingenommen, insbesondere der Frage nach einem Kind, das Torstens Ex-Freundin Monika vor 15 Jahren verloren haben soll. Tragischerweise stirbt Torsten an einem Gehirntumor, was Mike dazu bringt, die Bestattung zu organisieren und Monika wiederzufinden. Bei der Trauerfeier entsteht eine Verbindung zwischen Mike und Monika, die zu einer Beziehung führt, in der Mike zunehmend in Torstens Fußstapfen tritt. Obwohl er Torstens Leben weiterlebt, bleibt ein Happy End mit Monika aus. Dennoch findet Mike die Möglichkeit, Torstens Biografie abzuschließen, doch das veröffentlichte Werk wird ein Flop. Dennoch eröffnen sich für Mike neue Perspektiven in seinem eigenen Leben, insbesondere durch eine Ex-Freundin, die ebenfalls alleinerziehend ist.
Von Einer weiß man nicht viel. Er ist das, was man ein unbeschriebenes Blatt nennt. Seine Herkunft ist unbestimmt. Einer sagt, er sei mit zwanzig aus dem Herz-Jesu-Spital entlassen worden. Und mehr wisse er nicht. Nicht, was davor war. Nicht, wer seine Eltern sind. Mit zwanzig aus dem Herz-Jesu-Spital entlassen. Das genüge. Einer ist damit wie kein zweiter geschaffen für ein sorgloses Leben. Nichts, was ihn zum Typ machte. Einzig sein Zwang, nichts ganz aufzubrauchen oder zu Ende zu führen, ist auffällig. Einer steht am Anfang und sammelt letzte Reste. Einer meidet Menschen. Nur mit Gisela, seiner Wohnungsnachbarin und einzigen Bezugsperson, verbringt er Zeit. Ihr vertraut er sich an. Sie ermuntert ihn auch, sich mehr um seine Persönlichkeit zu kümmern. Gesellschaftliche Konventionen lernt er als Kinogeher. Was er in den Filmen sieht, nimmt er sich zum Vorbild. Einer stolpert ins Leben und seiner Individualisierung entgegen.
Natürlich immer darauf bedacht, nichts zu Ende zu bringen. Einer will ein Kind. Am liebsten mit Gisela. Die aber hatte vor Jahren eine Fehlgeburt. Und kann keine bekommen. Und sie gesteht ihm, dass auch sie aufgrund einer dunklen Vergangenheit nur ein „geliehenes Leben“ hat.
Engelbert Steller ist ein leidenschaftlicher Bücherliebhaber, der in seinem turmähnlichen Haus einen kleinen Buchladen betreibt. Sein Leben wirkt nach außen hin ereignislos: Mit 56 Jahren ist er unverheiratet und ein verschrobener Einzelgänger. Eine besondere Verbindung hat er zu seiner Kundin, der Lebensberaterin Christa Krön, mit der er sich über Literatur, Psychoanalyse und ungeschriebene Bücher austauscht. Obwohl zwischen ihnen eine vorbestimmte Liebesbeziehung entstehen könnte, zieht es Steller vor, sich in seine Fantasiewelt zurückzuziehen und ein zweites Leben zu entwerfen, in dem er sich als Pascal Seibold imaginiert. Er vergräbt sich in Notizzetteln und Skizzenbüchern, bis eines Tages seine Welt buchstäblich zusammenbricht.
Ein Zitat, das er einst abgeschrieben hat, kommt ihm in den Sinn: „Was mir schön erscheint und was ich machen möchte, ist ein Buch über nichts, ein Buch ohne äußere Bindung, das sich selbst durch die innere Kraft seines Stils trägt... ein Buch, das fast kein Sujet hätte.“ Dies stammt von Gustave Flaubert, und während er darüber nachdenkt, wird ihm klar, dass er einfach wieder anfangen möchte zu schreiben.
Ein Wesen aus der Nachbarschaft trat in Roberts Leben und ließ sein Herz mit mächtigen Flügeln wachsen. Blond, zierlich und elegant, erlangte sie schnell seine Aufmerksamkeit. Er beobachtete ihre Gewohnheiten, wo sie einkaufte und welches Auto sie fuhr. In den oscarprämierten Filmen geschieht alles mühelos: ein tiefes Blick, und die Liebe ist da. Robert überlegte und schrieb ein Liebesgeständnis, füllte lange Sätze mit kurzen Worten und steckte das Kärtchen hinter den Scheibenwischer ihres Autos. War er zu weit gegangen? Sein Mut wurde von schlechtem Gewissen überschattet. Während er wartete, fühlte er, als sei ihm das Leben abhanden gekommen, genoss aber auch die Zeit, obwohl er sie nicht nutzen konnte. Glück ist nicht immer einfach. Robert konzentrierte sich auf seine Arbeit, betreute mehrere Baustellen und entwarf ein Einfamilienhaus in einem noblen Vorort. Sein postmoderner Stil war gefragt, aber privat war er zurückhaltend und indifferent. Im Schatten seines beruflichen Erfolgs wartete er auf Hoffnung. Ein kurzer Blickkontakt im Supermarkt war alles, was er sich erlaubte. Es gibt keine gültige Mitteilung für das, was wir Liebe nennen, doch Robert war entschlossen, sie so zu nennen.
Das mit Claudia. Die Seiten in seinem Tagebuch seitdem leer geblieben, erzählt der Alleinige. Jedes weiße Blatt ein Emblem des Gefühls, welches zwischen Claudia und ihm noch nie als Wort vorgekommen war. Ausgerechnet dieses eine Vokabel in einem dunklen Moment verlorengegangen. Mitgerissen vielleicht von Hochwassern, abhanden gekommen in einem Windstoß.