Der Autor, ein ehemaliger Kammergerichtsrat, beleuchtet die Tradition des Kammergerichts, des ältesten deutschen Gerichts, das 1468 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Er betont die Notwendigkeit, die Geschichte des Gerichts nicht nur zu bewahren, sondern auch aus heutiger Perspektive zu erneuern. Seit den grundlegenden Werken vor dem Ersten Weltkrieg haben sich die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen stark verändert. Das Buch richtet sich an die breite Öffentlichkeit und betrachtet das Justizgeschehen im Kontext seiner wechselvollen Geschichte. Der Autor fragt sich, ob Berlin sich der Bedeutung des Kammergerichts bewusst ist, das Teil des preußischen Erbes und der europäischen Rechtskultur ist. Die Publikation ist keine unkritische Huldigung; sie thematisiert auch die Rolle des Gerichts in der NS-Zeit und das Unrecht, das jüdischen Mitgliedern zugefügt wurde. Zudem wird die Geschichte des Kammergerichts in der Weimarer Republik behandelt, um der zeitgeschichtlichen Justizforschung neue Impulse zu geben. Die Darstellung ist Günter von Drenkmann gewidmet, dem vor 30 Jahren ermordeten Kammergerichtspräsidenten. Das Symposium, das seine Erinnerung belebt, unterstreicht die Bedeutung des Kammergerichts für den Rechtsstaat, der nach der Hitlerdiktatur neu errichtet wurde.
Rudolf Wassermann Pořadí knih






- 2004
- 2000
Die programmatischen Aussagen und konkreten Arbeiten Rudolf Wassermanns zur Erneuerung des Rechtswesens haben in mehreren Büchern ihren Niederschlag gefunden, ebenso seine Auseinandersetzungen mit politischen und Verfassungsproblemen sowie seine Beiträge zur juristischen Zeitgeschichte und zu den Gewaltphänomenen in der modernen Gesellschaft. Weniger leicht zugänglich sind die über 600 Zeitschriftenaufsätze und Beiträge in Sammelbänden, die er veröffentlicht hat. Die hier getroffene Auswahl konkurriert nicht mit Rudolf Wassermanns früheren Büchern. Sie beschränkt sich vielmehr auf den Zeitraum von 1989 bis 1999, geglieder nach den Themengebieten, mit denen er sich in dieser Zeit vorzugsweise beschäftigt hat. Die BEgrenzung lag um so näher, als Rudolf Wassermann in disen Jahren weniger wie in den früheren Jahrzehnten als Stürmer und Dränger in Erscheinung getreten ist denn als Mahner, Warner und Kritiker. Die Beiträge sind in folgende Themengebiete gegliedert: I. Verfassung und Politik II. Wiedervereinigung und Folgeprobleme III. Justiz - Reform und Kritik
- 1993
Lebensläufe — hüben und drüben
- 396 stránek
- 14 hodin čtení
Über 40 Jahre waren die Deutschen östlich und westlich der Eibe voneinander getrennt. Mit zunehmend perfektionierter "Grenzsicherung" im Jargon der SED, "Mauer und Schießbefehl" in der sicherlich exakteren Charakterisierung im freien Teil Deutschlands, waren sie dann mehr oder weniger völlig voneinan der abgeschottet. Westliche Rundfunkanstalten, speziell westliches Fernsehen zu empfangen, war zunächst geflihrIich für die im Machtbereich Pankows und Moskaus lebenden Deutschen, ist im Laufe der Jahre dann nicht mehr zu ver hindern gewesen, wurde aber bis zuletzt offiziell verurteilt. Später sollte sich ge rade das Medium Fernsehen als ein zweischneidiges Instrument westlicher Auf weichung des kommunistisch-totalitären Herrschaftsgefüges erweisen - zwei schneidig, weil positiv gesehen die Stimmen und Stimmungen der Freiheit an die Substanz des Unterdrückungsregimes gehen mußten, negativ, weil viele un reflektiert Nachrichten konsumierende Deutsche in den heutigen neuen Bundes ländern sicherlich auch ein verzerrtes Bild vom uneingeschränkten Glück und Wohlstand in einer scheinbaren westlichen Überflußgesellschaft bewußt oder unbewußt in sich aufnahmen. Demgegenüber wurden Ost-Rundfunkanstalten, Ost-Fernsehen und Ost-Zeitungen von den Deutschen im Westen völlig zu Recht genauso wenig als seriöse Instrumente objektiver Aufklärung betrachtet, wie dies bei der Masse der Bevölkerung im Osten selber der Fall war.

