47 Tote in einem Massengrab – das sind die einzigen Opfer, die bisher von einer der verlustreichsten Schlachten des 30-jährigen Krieges gefunden werden konnten. Sie gehören zu den 6500 Opfern, unter ihnen der schwedische König Gustav II. Adolf, die 1632 in Lützen bei Leipzig ihr Leben ließen. Im Erdblock gehoben, im Labor präpariert und mit modernsten bioarchäologischen Methoden untersucht, steht das Grab im Zentrum der Sonderausstellung.Aber seit wann kennen wir überhaupt »Krieg«? Ausgehend von dem Lützener Befund wird mit archäologischen Methoden den Ursprüngen dieses Phänomens nachgespürt. Aggression und Gewalt gehören ohne Zweifel zu unserer Natur, von wirklichen kriegerischen Auseinandersetzungen kann allerdings erst ab der Jungsteinzeit, also der Sesshaftwerdung des Menschen, gesprochen werden. Im Laufe der Jahrtausende ändern sich Organisation, Taktik und Waffentechnologie - und auch das beleuchtet der reich illustrierte Begleitband anhand archäologischer Funde.
Anja Grothe Knihy


Wittstock – die Wende im 30-jährigen Krieg Im Frühjahr 2007 wurde im Norden Brandenburgs inmitten des Schlachtfeldes von Wittstock ein Grab mit 125 bestatteten Soldaten entdeckt. Es ist die europaweit größte Grabstätte aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges – nach mehrjähriger Forschung ist es auch die am besten untersuchte. Ab April 2012 präsentiert die Wanderausstellung '1636 – ihre letzte Schlacht' die einzigartigen Funde. Über geschichtliche Fakten und Zahlen hinaus werden die Höhen und Tiefen des frühen 17. Jahrhunderts erlebbar. Von brandenburgischen Schatzfunden und Ausgrabungen wird der Bogen zu frühneuzeitlichen Dorffriedhöfen geschlagen, um so die Lebensumstände der Bevölkerung zu rekonstruieren. Durch die zahlreichen neuen Informationen aus den Funden bei Wittstock kann nun erstmals auch das Leben der Soldaten und einfachen Söldner detailliert und lebensnah beschrieben werden. Der reich bebilderte Begleitband zur Ausstellung vermittelt die historischen Fakten, beschreibt aber auch die wissenschaftlichen Analysemethoden und die teilweise verblüffenden Forschungsergebnisse.