Apokryphen zum Alten und Neuen Testament
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Wem sind Judith mit dem Haupt des Holofernes, der blinde Tobias, die Sibylle oder Susanna im Bade nicht aus Malerei und Literatur vertraut? Zwischen der Faszination, die deren Geschichten am Rande der Heiligen Schrift auf Leser ausüben, und der zurückhaltenden Bewertung oder Ablehnung der Apokryphen durch kirchliche Instanzen besteht bis heute eine tiefe Kluft. Obwohl sie nicht in den Textkanon des Alten oder Neuen Testaments aufgenommen wurden, entfalteten die Apokryphen an der Peripherie eine immense Wirkung und prägten Dichtung, bildende Kunst und die gesamte abendländische Kulturgeschichte. Die Frage, welche Texte als Heilige Schrift gelten dürfen, wurde im Laufe der Geschichte unterschiedlich beantwortet. So wurde das Alte Testament erst in den letzten vorchristlichen Jahrhunderten zu einem Korpus von neununddreißig Schriften zusammengefasst, wobei andere Literatur nicht grundsätzlich verworfen, sondern von der Lesung in der Synagoge ausgeschlossen wurde. Die alttestamentlichen Apokryphen führen die jüdische Geschichtsschreibung weiter und schließen Lücken in älteren Überlieferungen. Unter den apokryphen neutestamentlichen Texten finden sich frühe Berichte über das Leben Jesu, Marias und der Apostel sowie prophetische Bücher wie die Petrus-Apokalypse, die in Dantes 'Inferno' nachwirkte. Diese sorgfältig ausgewählten Texte belegen die Volksfrömmigkeit der frühchristlichen Jahrhunderte, oft mit ketzerischem Einschlag.



