Ob wir im ›Haus der Geschichte‹ überleben, fragt sich der Erzähler der Chronik. Berichtet wird aus drei ukrainischen Kriegsschauplätzen: 1914 – 1941 – 2014. An den Krieg in Ostgalizien und an russische Gefangenschaft in Sibirien erinnern Ausschnitte aus einem Kriegstagebuch. Ein kalter Chronist berichtet über nationalsozialistische Judenverfolgungen in Ostgalizien, über den Blutsonntag von Stanislau, dem heute zur Westukraine gehörenden Iwano-Frankiwsk, über Judenpogrome und Deportationen in das Vernichtungslager Belzec. Fragmente einer Familienchronik geben Auskunft über den banalen Alltag einer bürgerlichen Familie vor und nach dem Ende des Nationalsozialismus. In unserem europäischen Jahrhundert folgen auf Friedenszeiten rasch Kriegszeiten. Wieder ist Krieg in der Ukraine. Der trostlose Chronist redet über den russisch-ukrainischen Krieg. Der über den Ausbruch des Konflikts erschrockene Erzähler der Chronik reist 2019 in die Ukraine auf der Suche nach einer verlorenen und einer neuen Zeit, eingedenk des Gleichzeitigen im Ungleichzeitigen. Fünf Erzählungen sind in diesem Buch der Erinnerung miteinander verknüpft. Beängstigend ist: Jederzeit droht der dünne Faden der Erinnerung zwischen den Generationen zu zerreißen.
Hartmut Vinc on Knihy




Frank Wedekind
- 248 stránek
- 9 hodin čtení
Die Literatur des Fin de Siècle reflektiert die fundamentalen gesellschaftlichen und kulturellen Veränderungen der Zeit um 1900, indem sie aktuelle Themen künstlerisch verarbeitet und neue ästhetische Ausdrucksformen entwickelt. Die Beiträge dieses Bandes beschreiben die heterogenen Strömungen der literarischen Jahrhundertwende und entfalten ihre wesentlichen Aspekte. Die Literatur von und über Frauen, die Psychoanalyse, die Zentren der Bohème, die technischen Medien und die Unterhaltungskultur werden gleichermaßen behandelt. Ausgewählte Autoren, die auch heute noch präsent sind, finden sich ausführlich porträtiert, so Stefan George, Heinrich und Thomas Mann, Robert Musil, Arthur Schnitzler, Rainer Maria Rilke, Frank Wedekind. Die Verbindung von Biographie und Werkanalyse ermöglicht Einsichten in die zentralen Themen und Schreibformen der Jahrhundertwende.