Sinn und Form 5/2025
Beiträge zur Literatur






Beiträge zur Literatur
Roman | Der DDR-Bestseller von 1982 | Inspirierender Roman über Mut, Selbstverwirklichung und die Liebe zum Segeln | Alleinerziehende Frau in männlich dominierten Umfeld
Die Wiederentdeckung eines DDR-Bestsellers thematisiert die Herausforderungen, den Traum von Freiheit zu leben. Almut, eine alleinerziehende Literaturwissenschaftlerin, erbt ein Segelboot von ihrem Vater, das sie als Drachen bezeichnet – schön, aber überdimensioniert und kostspielig. Bald nimmt der Drache all ihre Zeit und Ressourcen in Anspruch. Ihre Wochenenden verbringt sie am See, beschäftigt mit Instandhaltungsarbeiten und der Suche nach Materialien in Ostberlin. Die männlichen Bootsbesitzer belächeln sie und zweifeln daran, dass eine Frau ein solches Boot allein bewältigen kann. Mehrmals versucht sie, den Drachen zu verkaufen, doch sie kann sich nicht von ihm trennen, da er ihr eine Freiheit eröffnet, die sie in ihrem Land und in Beziehungen nicht gefunden hat. Dieser moderne Klassiker setzt sich für Emanzipation ein und bleibt bis heute relevant. Die Erzählung wird als intelligent komponiert beschrieben, die den weiblichen Eigensinn thematisiert und gleichzeitig eine stilistisch brillante Studie über das Loslassen bietet. Die Neuauflage wird als bereichernde Wiederentdeckung gewürdigt. Der Roman besticht durch eine rhythmische Sprache, die zwischen nüchterner Beschreibung und malerischer Erzählweise wechselt und den Leser sanft mitnimmt.
Eine unbekannte Dichterin, Barockzeit, Bachzeit, Leipzig: Christiane Mariane von Ziegler. Noch eine literarische Heldin, nach allen Sophien und Charlotten und Christianen? Aber was für ein Leben! Mariane, 1695 in Leipzig geboren, Tochter des bekannten Bürgermeisters Romanus, wurde sehr jung zweimal Witwe, verlor ihre beiden Kinder, gründete in Leipzig einen literarischen Salon, veröffentlichte drei Bände Gedichte und Prosa. War plötzlich berühmt. Zu Pfingsten 1725 erklangen neun ihrer Kantatentexte in der Vertonung Johann Sebastian Bachs. Unter den Fittichen des in Deutschland tonangebenden Kritikers Johann Christoph Gottsched Aufstieg bis in die noble „Deutsche Gesellschaft“, eine gekrönte Poeta laureata, die von Kritikern als unsterblich gepriesen und am Ende doch in Klatsch und Neid versank und in der kleinen preußischen Universitätsstadt Frankfurt/Oder an der Seite eines neun Jahre jüngeren Geschichtsprofessors 1760, fast schon vergessen, starb. Ein faszinierendes literarisches Porträt voller Denkwürdigkeiten.