Knihobot

Michael Spöttel

    30. leden 1956
    Die ungeliebte "Zivilisation"
    Vergebliche Hoffnung
    Hamiten
    • Hamiten

      • 150 stránek
      • 6 hodin čtení

      Seit Ende des 19. Jahrhunderts läßt sich ein Zusammenhang zwischen der ethnologischen Erforschung nicht-europäischer Völker und judenfeindlichen Haltungen beobachten. In diesem Essay wird der Wirkungszusammenhang zwischen Exotik und Antisemitismus am Beispiel der Publikationen der Ethnologen Leo Frobenius, Wilhelm Schmidt und Wilhelm E. Mühlmann und des sich im Dunstkreis ethnologischer Forschungen bewegenden Geographen Siegfried Passarge belegt. Die sogenannte Hamitentheorie diente in Deutschland und Österreich dazu, eine grundlegende Differenz zwischen den 'Eigenen' und den 'Anderen' - in allererster Linie den Juden - zu postulieren. Ob Hamiten als eine in den schwarzen Erdteil eingewanderte militärisch und politisch überlegene Herrenrasse oder als eine dekadenter Lebensweise anheimgefallene Gruppe afrikanischer Völker angesehen wurden, ist von sekundärem Interesse. Die Hamitentheorie ließ sich in allen ihren unterschiedlichen Varianten gegen die Juden instrumentalisieren.

      Hamiten
    • Das Geschäft mit der Hoffnung ist eines der dunkelsten Kapitel der sog. Alternativmedizin. Dies verdeutlicht Michael Spöttel am Beispiel unkonventioneller Krebsheilmethoden. Ausgehend von den Fällen Hamer und Rath, die ein großes Medienecho fanden, stellt der Autor die diversen Verfahren vor, erörtert ihren ideologischen Hintergrund und die daraus abgeleiteten medizinischen Vorstellungen. Dabei zeigt sich, daß sich keine der propagierten Alternativen auf der Höhe aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse befindet und die vorgeblichen Erfolge lediglich durch anekdotische Berichte belegt sind. Darüber hinaus basieren sie häufig auf der Idee, daß es dem Menschen schade, sofern er nicht im Einklang mit „der Natur“ stehe, und daß durch derartige „Verstöße“ sogar Krankheiten wie Krebs ausgelöst werden können. Daran knüpft sich dann die (häufig mit moralischen Vorschriften verbundene) Behauptung, der Mensch könne durch seinen Lebenswandel weitgehend selbst „bestimmen“, ob er an einem schweren Leiden erkranke oder nicht. Die Erfolgsquoten der Vertreter einer „sanften“ Medizin sprechen allerdings eine klare Sprache: die geweckten Hoffnungen sind in der Regel vergeblich.

      Vergebliche Hoffnung
    • Der für diese Arbeit relevante Begriff der Zivilisation bezieht sich auf das für die deutsche Geistesgeschichte bedeutsame Gegensatzpaar zwischen deutscher Kultur und westlicher Zivilisation. Für weite Kreise des Establishments in Deutschland geriet die Zivilisation spätestens nach dem 1. Weltkrieg zum Symbol des Abzulehnenden. Der Haß richtete sich in erster Linie gegen die scheinbaren Begründer und Träger der Zivilisation : die Juden. Die Publikationen bekannter Ethnologen müssen in diesem Kontext gelesen werden. Der Dualismus zwischen Kultur und Zivilisation ist konstitutiv für die ethnologischen Theorien von Leo Frobenius und Wilhelm E. Mühlmann. Die Spur dieser Zivilisationskritik ist nach dem 2. Weltkrieg nicht abgerissen. Dies ergibt eine Analyse der Texte von Adolf E. Jensen, Werner Müller, Hans Peter Duerr und Vertretern der Ethno-Ökologie.

      Die ungeliebte "Zivilisation"