Für Marlene heißt Mauerfall zunächst nur Glücksfall. Endlich kann sie tun, was ihr liegt: ein Gutshaus zu einer Mark auftreiben, dort ein Café eröffnen und ihre Kinder an diesem geradezu magischen Ort aufwachsen lassen. Allerdings hat sie weder mit der Feindseligkeit der Dorfbewohner gerechnet, noch mit der Hartnäckigkeit des alten Gemäuers, immer irgendwo baufällig zu sein. Auch die Familie zieht nicht an einem Strang – ihre Schwiegermutter ist zu dominant, ihr Schwager zu abhängig und Konrad, ihr Mann, womöglich nicht ganz treu. In diesem Dorfkosmos verdichten sich die 1990er-Jahre im Osten, die ganze Widersprüchlichkeit aus Euphorie und Verlust, Orientierungslosigkeit und Aufbruch.
Barbara Handke Knihy



Die Kunst der Selbstoffenbarung bei Deborah Levy und Annie Ernaux
Form, Funktion und Grenzen autobiografischer Exposition
Welche Funktion erfüllt die Selbstoffenbarung in der Erzählkunst? Warum und wie werden schwer integrierbare Lebensthemen mitgeteilt? Gibt es Grenzen des Expliziten und Techniken des Selbstschutzes? Zwei autobiografische Werke stehen hier im Fokus: The Cost of Living von Deborah Levy und Mémoire de fille von Annie Ernaux. Beide nutzen das Genre des Memoirs – und damit das emanzipative Potenzial der Selbstoffenbarung –, um schmerzlich Erfahrenes und unfreiwillig Erinnertes mit Sinn zu versehen und als Teil des eigenen Lebens annehmbar zu machen. Für diese Analyse wurden psychoanalytische Ansätze für die Literaturwissenschaft neu adaptiert.
Eine neue, originelle und humorvolle Stimme. Das Leben hat es mit Bernadette nicht allzu gut gemeint. Statt Redakteurin eines Magazins ist sie dort nun Hilfskraft, statt glücklich verheiratet ist sie alleinerziehend, statt Entwicklung herrscht Stagnation in allen Lebenslagen. Doch dann kommt die unerwartete Chance: Bernadette kann als Vertretung für eine Recherche nach Madrid reisen. Kurzentschlossen packt sie ihren Koffer, und hofft, endlich neue Wege gehen zu können. Einen Monat hat sie dafür Zeit. Ohne Spanischkenntnisse, aber mit entwaffnender Offenheit begegnet sie den unterschiedlichsten Menschen, lässt neue Eindrücke auf sich wirken und fühlt sich plötzlich nicht nur in die Stadt verliebt. Was die Reise für sie bringt, überrascht sie selbst.