Der Band "Exil" untersucht die Auswirkungen der Annexions- und Assimilationspolitik der Bundesregierung auf die DDR-Bevölkerung. Er zeigt, wie diese Maßnahmen zu sozialem Wandel, Krankheit und Abwanderung führten und einen Ost-West-Kulturkonflikt sowie das Gefühl des Exils im eigenen Land hervorriefen.
Yana Milev Knihy



Die Schweizer Soziologin Yana Milev untersucht seit Jahren die Entwicklungen der Ostdeutschen nach dem Untergang der DDR. Sie analysiert die Auswirkungen der Bonner Abwicklungs- und Anschlusspolitik sowie die mediale Begleitung der Übernahme. Im Fokus ihrer Arbeit steht die Treuhandanstalt als Vollstreckerin des politischen Willens der alten Bundesrepublik. Milev thematisiert offen, was oft verschwiegen wird: Die „friedliche Revolution“ war keine. Die Abwesenheit physischer Gewalt bedeutete nicht, dass es keinen psychischen Druck und andere Formen der Übernahme gab. Die Behauptung „Wir sind ein Volk“ wird als irreführend entlarvt, da Ost- und Westdeutsche aufgrund ihrer unterschiedlichen gesellschaftlichen Entwicklungen verschiedene Erfahrungen gemacht haben. Auch die „Wiedervereinigung“ wird als eine Übernahme des einen Staates durch den anderen dargestellt. Die „Wohlstandsversprechen“ von Kohl 1990 sind durch die Statistik widerlegt. Der „Aufbau Ost“ führte zu einem Rückbau der DDR vom Industriestaat zum Entwicklungsland und zur Monopolisierung von Demokratie und Geschichte durch das CDU-Regime, was zu Radikalisierungen führte. Milev widerspricht vehement der Behauptung einer erfolgreichen „Transformation des Ostens“ und zeigt, dass Treuhand- und Aufarbeitungspolitik als zwei Seiten einer Medaille zu einer Kulturkatastrophe führten, deren gesellschaftliche Verarbeitung erst begonnen hat.
Entkoppelte Gesellschaft - Ostdeutschland seit 1989/90
- 570 stránek
- 20 hodin čtení
Seit dem Ende des Kommunismus 1990 und der Übergabe der DDR an die Justiz inszenieren neue Institutionen und Behörden den Erfolg des Rechtsstaats. Die Mehrheit der Neubürger sieht sich jedoch mit den Schockereignissen eines drastischen sozialen Wandels und gesellschaftlicher Stigmatisierung konfrontiert. Begriffe wie „Transformation“, „Modernisierung“ und „Demokratisierung“ dienen oft als Euphemismen, die eine neoliberale Annexion der „Neuländer“ verschleiern. Das Projekt „Aufschwung Ost“ wird als Laborfall der Globalisierung betrachtet. Über die Aufarbeitung der DDR im Vergleich zu Totalitarismus und Diktaturen hinaus ist eine politische Soziologie der Landnahme und des strukturellen Kolonialismus in Ostdeutschland notwendig. Das Forschungsprogramm „Entkoppelte Gesellschaft. Liberalisierung und Widerstand in Ostdeutschland seit 1989/90“ widmet sich im dreißigsten Jahr der „Einheit“ diesem Thema mit einer mehrbändigen Publikation. Der Band „Tatbestände“ bietet mit 13 Fallstudien das empirische Fundament des Gesamtprojekts. Diese sozialwissenschaftlichen Studien decken die Verwerfung, Abwicklung und Löschung in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen Ostdeutschlands auf und analysieren die damit verbundenen sozialen, kulturellen und regionalen Schäden.