Sebastian Castellio (1515-1563)
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![Mädchenbildung im Lüneburg des 19. [neunzehnten] Jahrhunderts](https://rezised-images.knhbt.cz/1920x1920/37177671.jpg)



Herausgegeben von Wolfgang F. Stammler
Die Verurteilung und Verbrennung von Miguel Servet im Jahr 1553 stellt einen kritischen Moment im humanistischen Denken dar und wirft die Frage auf, ob es legitim ist, Menschen aufgrund ihrer abweichenden Überzeugungen zu töten. Uwe Plaths Untersuchung beleuchtet die Toleranzkontroverse, die durch diesen Fall ausgelöst wurde, und analysiert die Ereignisse zwischen 1552 und 1556, die für die Reformation und das humanistische Denken entscheidend sind. Zudem bietet das Werk Einblicke in die Streitkultur jener Zeit und das sich entwickelnde Menschenbild, das Freiheit und Verantwortung betont.
Sebastian Castellio (1515-1563) war als Personlichkeit ebenso umstritten wie seine Toleranzschriften es waren. Calvin hielt ihn fur einen begabten und tugendhaften, aber auch fanatischen und uneinsichtigen Pamphletisten und Moralisten, andere erlebten ihn als einen bescheidenen, skeptischen und unerschrockenen Gelehrten. Castellio selbst verteidigte seine anspruchslose Lebensfuhrung und Wahrheitsliebe. Er inszenierte seine Position unter anderem in der Gestalt des Vaticanus, eines fiktiven Gesprachspartners von Calvin, der, wie Uwe Plath nachweist, nichts mit dem Vatikan, hingegen viel mit einem vates (einem romischen Seher) zu tun hat. Als vates bezeichnete Castellio die Propheten des Alten Testaments und er scheint sich bereits in der Toleranzkontroverse gegen Calvin, die er nach der Verbrennung des Spaniers Michael Servet in Genf (1553) von Basel aus fuhrte, als Prophet verstanden zu haben, der die europaische Katastrophe der Konfessionskriege in den Ketzerverfolgungen heraufziehen sah.